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Inhaltsverzeichnis
1. Selbstverständnis der damaligen Kynologie und Rassehundevereine
2. Festlegung der Rassekennzeichen bzw. des Standards
3. Entstehung und Organisation der Rassehundevereine
4. Verein zur Veredelung der Hunderacen, Hannover
5. Verein Hektor (auch "Hector"), Berlin
6. Delegierten-Commission
7. Deutsche Kartell für Hundewesen (DKH)
8. Gleichschaltung der Rassehundeverbände im Nationalsozialismus
9. Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH)

Ausstellung des Vereins "Hector"
Es bestand die Auffassung, dass es zuerst klar getrennte Rassen gegeben hätte oder anders ausgedrückt, die nun im Rahmen der Rassehundevereine gezüchteten Hunderassen hätte es schon einmal vor langer Zeit gegeben.
Im Mittelalter oder in der Frühneuzeit seien diese "mustergültigen" Rassen entstanden; also lange vor dem 19. Jahrhundert (dem eigentlichen Beginn der Rassehundezucht).
In zahlreichen Schriften zur Entstehung der Hunderassen wurde die folgende Erklärung angeführt:
Griechen, Römer und Germanen (z.T. noch davor Torfhunde etc.) hätten schon diese Hunderassen oder deren Ursprünge gezüchtet. Während des Mittelalters bildete sich dann im 16. Jahrhundert, spätestens im 17. Jahrhundert die "richtige" bzw. "konstante" Hunderasse heraus.
Danach hätte eine Vermischung stattgefunden, mit deutlich schlechteren Resultaten bezüglich Leistung (meistens Jagd gemeint) und Schönheit.
Nach damaliger Meinung musste auf Rassereinheit geachtet werden, um den schädlichen Einfluss von Kreuzungen zu vermeiden. Die Regellosigkeit der bisherigen Hundefortpflanzung würde zur Verwüstung der "trefflichen" Merkmale führen.
Also hat man sich auf die Rassereinheit der "alten" Zeit besonnen und mit den Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Hunderassen die Nachfolger dieser bereits vor Jahrhunderten reinzüchterisch entstandenen "richtigen" Rassen zurückgezüchtet.
Die Kynologen dieser Zeit haben sich daher nicht als Schöpfer dieser Hunderassen betrachtet, da sie ja nur "Altes" zurückgebracht bzw. gezüchtet hätten.
Diese Logik entstand aus dem Selbstverständnis des Adels, der sich insbesondere aus diesem Grund der Rassehundezucht annahm.
Die Verankerung der "richtigen" schon bestehenden Hunderassen im Mittelalter oder der neuen Frühzeit des 16. u. 17. Jahrhunderts basierte aus Sicht des Adels auf klaren hierarchischen Strukturen, die sich der Adel Ende des 19. Jahrhunderts zurückwünschte.
Das 19. Jahrhundert war durch die Infragestellung des Adels und dessen Privilegien geprägt. Der Adel sehnte sich nach der alten Zeit zurück und interpretierte also alle positiven Entwicklungen in diese "alte" Zeit zurück, obwohl es im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit des 16./17. Jahrhunderts gar keine geplante und organisierte Hundezucht gab, die zu rassereinen Hunden geführt hätte.
Diese Vergangenheitsidealisierung führte in der Konsequenz zu der Logik, diese "alten" Hunderassen wieder zurück zu züchten und dann als Hunderasse zu stabilisieren, d.h. Verpaarungen ergeben (insbesondere phänotypisch) immer das gleiche Ergebnis und keine Mischlinge.
Die Ablehnung von "Blutvermischung" in der Rassehundezucht hatte mit dem adligen Verständnis von der "Reinhaltung des adligen Blutes" zu tun.
Auch das Verhalten des Adels, seine Abstammung in Ahnentafeln zu dokumentieren, führte zur Aufstellung von Ahnentafeln für Rassehunde und deren Dokumentation in Stammbüchern.
Bevorzugt wurden am Anfang der Rassehunde-Bewegung die Jagdhunderassen. Eine Vielzahl von gegründeten Rassehundevereinen konzentrierte sich zu Beginn auf die Rassehunde, die zur Jagd eingesetzt wurden.
Dies hatte ebenfalls viel mit dem Selbstverständnis des Adels zu tun, da die Jagd die Domäne des Adels war.
Die Jagd, insbesondere die hohe Jagd, stand den Landesfürsten und Lehnsherren zu, die auch die Jagdordnung herausgaben.
In dieser Jagdordnung wurde auch die Haltung von Jagdhunden, Hirten-, Bauern- und Fleischerhunden festgelegt.
Für das Führen der Jagdhunde galt ein besonderes Brauchtum, auf das sich das heutige Jagdhundewesen noch heute stützt.
Für die Fütterung der Jagdhunde wurden die Bauern verpflichtet.
In sogenannten "Bannwäldern" durften nur die Landesherren jagen. Außer diesem adligen Jagdherren durfte niemand Jagdhunde halten.
Schäfer- und Bauernhunde sollten schwerfälligen Rassen entstammen, die keinen Jagdtrieb entwickelten.
Für die verschiedenen Zwecke zur Jagd entstanden die unterschiedlichen Arten von Rassehunden (Jagd zu Pferde, Baujagd, Hetzjagd, Jagd von Flug- und Wasserwild etc.).
Ohne die Jagd und die Spezialisierung der Jagdhunderassen wäre es vermutlich niemals zur Vielfalt der heutigen Hunderassen gekommen.
Die Reinzucht der Jagdhunderassen stand im Mittelpunkt der ersten gegründeten Vereine.
Im Jahr 1879 trat eine Commission zusammen, mit der Aufgabe, die Kennzeichen der Hunderacen festzulegen.
Damit begann die Festlegung des Rassestandards.
Die Teilnehmer der Commission waren, wie der Vorsitzende der Commission Waldersee schreibt: "...mehr denn 300 Herren, teils Jäger vom Beruf, teils Jagdfreunde".
Der Beginn der Rassehundezucht, für die die Festlegung der Standards unerlässlich war, startete also mit Männern des gehobenen gesellschaftlichen Standes, die insbesondere die Jagd betrieben.
Mit Festlegung der Rassehundekennzeichen bestand die wichtigste Aufgabe der Rassehundevereine darin, die Hunde bezüglich ihrer Rassekennzeichen zu begutachten und eine Beurteilung über die vorhandene oder fehlende Rassereinheit zu treffen und die Züchtung rassekonformer Hunde zu fördern.
Diese Festlegung bedurfte einer anerkannten Entscheidungshoheit, was denn die Rassekennzeichen einer Hunderasse waren und was zum Ausschluss führte.
Der "Verein zur Veredelung der Hunderacen" und später in größerem Kreis die "Delegierten-Commission" entwickelten sich zur Dachorganisation und zentralen Oberautorität in dieser Fragestellung zur Fixierung der Rassestandards.
Später (1906) spaltete sich das "Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs für Jagd- und Nutzhunde" durch Betreiben des Barons Albert de Gingins von der Delegierten-Commission ab und führte einen weiteren Dachverband ein, der ebenfalls die Rassestandards definierte.
Die "Delegierten-Commission", später auch das "Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs für Jagd- und Nutzhunde" und die jetzt entstehenden Spezialklubs definierten eine einheitliche Ordnung der Rasseeinteilung.
Nur mit dieser absoluten Autorität, die von "oben" aufgezwungen wurde, wurde die Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit der verschiedenen Hundeexemplare festgelegt.
Die Feststellung dieser Zugehörigkeit wurde auf Ausstellungen getroffen. Das Urteil der Richter war unumstößlich und endgültig.
Die deutschen Rassehundevereine entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts und erlebten ihren Höhepunkt in der sogenannten wilhelminischen Zeit 1890-1918. Ein großer Teil der Vereinsmitglieder --insbesondere der Führungskräfte der entstehenden Rassehundvereine-- waren adligen Ursprungs.
Es waren Mitglieder des Hochadels, die die ersten Ideen zur Organisation der Rassehundezucht entwickelten und mit dem oben beschriebenen Selbstverständnis agierten. Viele Führungskräfte der Rassehundevereine hatten eine militärische Ausbildung.
Die Rassehundezucht war ein wesentlicher Bestandteil der Aufgaben dieser Rassehundevereine. Mit der Festlegung der Rassekennzeichen, die zentralisiert und damit autoritär nur von der Delegirten-Commission erfolgen durfte, waren alle Rassehundevereine dem Dachverband hinsichtlich der Entscheidungshoheit unterworfen. Im Falle von Streitigkeiten oder Protesten hatte die Oberorganisation Delegirten-Commission das letzte "richterliche" Wort. Dies galt nicht nur für die Festlegung der Rassekennzeichen sondern auch für die Reglements für Ausstellungen, Schauen, Preissuchen, Preisschliefen und sonstige Prüfungen.
Die Organisation der Rassehundevereine in der wilhelminischen Zeit war ähnlich der des preußischen Obrigkeitsstaates angelegt. Dies hatte damit zu tun, dass diese Vereine von (hoch)adligen Männern geführt wurden, die gleichzeitig bedeutende Ämter im Staatssystem inne hatten.
Im Jahre 1839 wurde als einer der ersten Rassehundevereine der "Hannoversche Jagdverein" in Hannover gegründet, der sich insbesondere mit Pointern und Settern, die zu dieser Zeit aus England geholt wurden, beschäftigte. Dieser Verein wurde dann umbenannt in "Verein zur Einführung englischer Hunde und zur Kreuzung derselben mit hiesigen Rassen", denn das Maß aller Dinge in Sachen Hundezucht kam zu dieser Zeit aus England. Zielsetzung des Vereins war es deutsche Rassen auf Basis der englischen Hunderassen zu "schaffen".
Am 14. April 1878 wurde der Verein dann umgenannt in "Verein zur Veredelung der Hunderassen".
Der Verein führte ein Stammbuch (Deutsches Hunde-Stammbuch) nach englischem Vorbild (Kennel Club), das für alle anerkannten Rassen offen war.
Der "Verein zur Veredelung der Hunderacen" hatte seinen Sitz in Hannover. Der Zweck des Vereins war die Erhaltung und Ausbildung der Hunderassen.
In seinen Statuten beschreibt der Verein mit welchen Mitteln dieser Zweck realisiert werden sollte (Statuten des Vereins 1883):
Die Förderung der Jagdhunderassen stand aber im Mittelpunkt dieses Vereins. In der Satzung des Vereins zur Veredelung der Hunderacen steht:
"Förderung der Reinzüchtung der Hunderassen, insbesondere der zur Jagd brauchbaren"
Berufsjäger waren von der Zahlung des "Eintrittsgeldes" befreit. So schrieb der 1. Präsident Waldersee 1879: "...daß wir unser besonderes Augenmerk auf Jagdhunde...richten und erst in zweiter Linie alle übrigen Hunderacen in den Bereich unserer Thätigkeit nehmen."
Der Verein war wie folgt organisiert (Statuten des Vereins 1883):
a. dem Centralverein
b. den Bezirksvereinen
c. den Mitgliedern
Der Centralverein hat die oberste Leitung des Vereins. Er setzt sich zusammen aus dem Präsidenten, dem General-Sekretär und 6 Beigeordneten.
Im Jahr 1883 bestand der Centralverein aus:
Präsident: Sr. Excellenz dem Herrn Generalquartiermeister der Armee und General à la Suite Sr. Majestät des Kaisers Alfred Graf von Waldersee.

Alfred Heinrich Karl Ludwig Graf von Waldersee (*8. April 1832 in Potsdam; gest. 5. März 1904 in Hannover) war ein preußischer Generalfeldmarschall. Er befehligte überwiegend Militäreinheiten in Hannover, war von 1888 bis 1891 Chef des Großen Generalstabs und um 1900 Oberbefehlshaber eines multinationalen Truppenkontingents, das zur Niederschlagung des chinesischen Boxeraufstands nach Peking entsandt worden war. Waldersee war in seiner Grundhaltung ein konservativer Vertreter der preußisch-wilhelminischen Epoche. Er hatte eine ausgesprochen kaisertreue Einstellung.
Waldersee war treibende Kraft bei der Gründung des Vereins zur Veredelung der Hunderacen. Er war beteiligt an der Kommission zur Führung des Stammbuches.
General-Sekretär: Herrn Emil Meyer
Emil Meyer (* 19. April 1841 in Hannover; gest. 26. März 1899 ebenda) war ein deutscher Bankier und Geheimer Kommerzienrat. Kommerzialrat ist ein Ehrentitel, der im Deutschen Reich vor allem bis 1919 an Persönlichkeiten der Wirtschaft verliehen wurde. Die Ehrung erfolgte erst nach erheblichen „Stiftungen für das Gemeinwohl“. Geboren in der Residenzstadt des seinerzeitigen Königreichs Hannover als Sohn des jüdischen Bankiers Adolph Meyer, hatte sich Emil Meyer – laut den Hannoverschen Geschichtsblättern von 1914 – „… um die Pflege der Verwundeten in den Kriegen von 1866 und 1870/71 sowie auch später um die Förderung gemeinnütziger Bestrebungen große Verdienste“ erworben.
Emil Meyer war er bei der Gründung der Delegierten-Commission als Delegierter benannt und stimmberechtigt für den Verein in der Commission.
1. Beigeordneter: Herrn Landdrost Adolf Lucas von Cranach
Adolf Lucas von Cranach (* 1823 - gest. 1886) war von 1876-1885 Landdrost der Landdrostei Hannover.
2. Beigeordneter: Herrn Baron Werner von Alvensleben

Werner Ludwig Alvo Graf von Alvensleben (* 20. Juli 1840 in Neugattersleben; gest. 19. Februar 1929 in Neugattersleben) war Großgrundbesitzer des Gutes Neugattersleben, preußischer Kammerherr und Schlosshauptmann von Quedlinburg.
3. Beigeordneter: Herrn Baron Carl von Alten
Carl Friedrich Franz Victor Graf von Alten (* 1. August 1833 in Hannover; gest. 24. September 1901 in Gainfarn) war ein preußischer General der Kavallerie sowie Gouverneur der Festung Ulm.
4. Beigeordneter: Herrn Particulier Julius Heydorn
Julius Heydorn aus Hannover war ein Particulier. Damit wurde eine wohlhabende Person bezeichnet, die weder angestellt ist, noch einem Gewerbe nachgeht.
5. Beigeordneter: Herrn Hofmarschall Graf von der Schulenburg
Julius Karl Ferdinand Alexander von der Schulenburg (* 2. April 1809 in Priemern; gest. 16. Dezember 1893 in Dresden) war preußischer Generalleutnant und Hofmarschall.
6. Beigeordneter: Herrn Major von Kotze
Hans Hermann Ludwig von Kotze (* 14. Juli 1851 in Brandenburg an der Havel; gest. 30. April 1925 in Blankenburg/Harz) war ein deutscher Offizier. Er war preußischer Generalleutnant.
Die Ämter sind Ehrenämter und auf 2 Jahre ausgelegt; Wiederwahl möglich.
Bezirksvereine können ab einer Anzahl von 50 Mitgliedern gegründet werden. Sie stellen einen stimmberechtigten Delegierten ab je 25 Mitglieder des Bezirksvereins, der die Mitglieder des Bezirksvereins vertritt. Der Bezirksverein kann sich eigenständig organisieren; darf aber nicht den Zwecken des Centralvereins nach den gegenwärtigen Statuten entgegentreten.
Mitglieder haben folgende Rechte:
5. Verein Hektor (auch "Hector"), Berlin
Entstehung und Gründung
Am 1. Mai 1876 veröffentlichte R. von Schmiedeberg in der Zeitschrift "Der Hund (gegründet am 1. April 1876)"
einen Aufruf zur Gründung eines "Deutschen Vereins zur Beförderung der Zucht reiner Rassen". Der Sekretär
des Berliner Zoologischen Gartens Wagenführ übernahm diesen Aufruf mit den Worten:
"Wir stehen London und Paris nicht nach in Spezialvereinen zur Sammlung, erforschung, Züchtung oder Ver-
edelung der verschiedenen Tierspezies. Wir besitzen Vereine für Konchylien, Schmetterlinge, Geflügel- und
Sportsvereine für alle Tierklassen, nur das verständigste, treuste, anhänglichste, vielfach das unentbehr-
lichste Haustier, der Hund, wurde bisher in dieser Beziehung völlig vernachlässigt."
Mehr als 110 Personen meldeten sich als Unterstützer eines geplanten Vereins bei Wagenführ. Es waren z.T.
bekannte damalige Persönlichkeiten, wie z.B. Dr. Bodinus (Direktor des Berliner Zoos), Dr. Gustav Nachtigall
(Afrikaforscher), Dr. Hartmann (Präsident der geographischen Gesellschaft), R. von Schmiedeberg (Redakteur
der Zeitschrift "Der Hund"), Baron von Nolde, L. Kastan (Gründer des Panoptikums), Professor Sperling (Maler),
Geh. Kommerzienrat Spindler und Kranzler (Hofkonditor).
Es war bis dahin beabsichtigt gewesen einen lokalen berliner Verein zu gründen. der große deutschlandweite
Zuspruch führte aber dazu, dass sich die Aktivitäten auf ganz Deutschland bezogen.
Am 25. Oktober 1876 fand die erste konstituierende Sitzung statt und am 25. November 1876 wurde der erste
Vorstand gewählt:
1. Präsident: Dr. Heinrich Karl August Bodinus

Heinrich Karl August Bodinus(*29. Juli 1814 in Drewelow; gest. 23. November 1884 in Berlin) war ein deutscher
Arzt und Zoologe. Er begründete den Kölner Zoo und war ab 1869 Direktor des Zoologischen Gartens in Berlin.
Durch Ausgabe neuer Aktien beschaffte er frisches Kapital für den Berliner Zoo, um ein modernes Konzept zu
verfolgen: Weitere Tierarten zu zeigen, Musikpavillons, Terrassen und ein Restaurant fürs Amüsement zu
schaffen und neue, exotisch anmutende Häuser zu errichten. Besucherzahlen und Einnahmen stiegen spürbar.
Der Zoo Berlin entwickelte sich nun auch zu einem Ort für die feine Berliner Gesellschaft.
2. Präsident: Professor Dr. Hermann von Nathusius
Professor Dr. Hermann von Nathusius (* 9. Dezember 1809; gest. 29. Juni 1879) war Geheime Oberregierungsrat im
Landwirtschaftsministerium und übernahm das Lehramt für Tierzucht in Berlin. Er war Landwirt, Tierzüchter,
Hochschullehrer und Regierungsbeamter.
1. Schriftführer: H. Wagenführ
Wagenführ war Sekretär des Berliner Zoologischen Gartens.
2. Schriftführer
Schirmer
Schirmer war Geheimer Registrator. Ein Registrator einer Hofkanzlei hatte die Aufgabe, alle ausgehenden
Dokumente zu prüfen und zu registrieren.
1. Schatzmeister
Beckmann
Beckmann war Kaufmann.
2. Schatzmeister
Schotte
Schotte war Buchhändler
1. Bibliothekar
Adolf Emil Alexander Radetzki
Radetzki war Buchdruckereibesitzer und Hofbuchhändler. Er war an der Festlegung der Rassekennzeichen
(Standards) maßgeblich beteiligt und veröffentlichte diese 1880 in seiner Druckerei/Verlag "Beuckert &
Radetzki". Weitere Veröffentlichungen des Vereins Hektor wurden in dieser Verlagsdruckerei erstellt.
Später wurde Radetzki der 1. Präsident des Vereins Hektor.
Radetzki setzte sich schon in den Gründungsjahren des Vereins für das Kupieren bestimmter Hunderassen
ein. Schon damals war dieses Stutzen der Ohren und der Rute bei einigen Hunderassen sehr umstritten.
2. Bibliothekar
Koppe
Koppe war Kaufmann
Die ersten Treffen fanden in Räumen des Zoologischen Gartens statt. Das Protektorat des Vereins übernahm
Prinz Karl von Preußen (Bruder des Kaisers Wilhelm I.) und als Gönner-Mitglieder wurden Prinz Albrecht zu
Solms-Braunfels und der Oberst-Jägermeister Fürst von Pleß gewonnen.

Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels
Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels (*10.02.1841 - gest. 09.03.1901) war Rittmeister à la suite der preußischen
Armee. 1875–1878 Vertreter seines Bruders Ernst zu Solms-Braunfels in der 1. Kammer der Landstände des
Großherzogtums Hessen. Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels gehörte dem europäischen Hochadel an und er war
Hauptmotor der kynologischen Bewegung von 1870 bis 1888. Schon im Jahr 1873 besucht er viele Hundeschauen
und bereiste in diesem Zusammenhang Großbritannien und gründet in Deutschland nach englischem Muster den
Zwinger "Wolfsmühle". Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels hielt in seinem Zwinger ständig eine größere Anzahl
Hunde u.a. Pointer,Setter, Foxhounds, Bernhardiner, Foxterrier, Möpse Yorkshire-Terrier und Deutsche Vorsteh-
hunde.
Bereits im ersten Jahr nach seiner Gründung 1874, wird Prinz Albrecht auf notwendige Empfehlung Mitglied
im Kennel Club England und richtet auf dessen National Dog Show im selben Jahr die foreign dogs und Dachshunde.
Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels war es, der die Rassekennzeichen, Beurteilungsregeln der Körperform und
schliesslich auch einfache Prüfungsregeln für Jagdhunde aufstellte und den Leitsatz prägte: "Durch Leistungs-
fähigkeit zum Typ".

Der Verein Hector sollte sämtliche Gebiete der Thematik Rassehunde wahrnehmen, insbesondere Hundezucht
und Ausstellungswesen. In seiner ersten Sitzung beschäftigte man sich mit der Frage des "Coupierens" und
der Verbesserung des Hundetransports per Eisenbahn.
Der Verein, der als Mitglieder die oberen Gesllschaftsschichten (Militär, Adel und gehobenes Bürgertum) an-
sprach, hatte im ersten Jahr 86 und im 2. Jahr 124 Mitglieder.
Die erste Ausstellung vom Verein Hector organisierte Ausstellung mit 127 Hunden fand vom 8.-12. Mai 1878
in den Räumen des Hohenzollerparks statt. Auf der 5. Ausstellung vom 18.-22. Mai 1888 im "Tivoli" nahmen
nahmen schon 782 Hunde teil. Es fanden noch 1890 in der "Flora" und 1892 im "Hippodrom" statt. Die letzte
Ausstellung von 1896 war jedoch ein finanzielles Fiasko und das Ausstellungswesen wurde eingestellt.
Erst mit der Vereinigung von Hector mit dem Verein "Gesellschaft der Hundefreunde, Berlin" im Sommer 1901
wurden Anfang des 20. Jahrhunderts wieder Ausstellungen organisiert. Die erste Ausstellung der beiden
fusionierten Vereine fand schon 1901 statt im Sportpark Friedenau. Von 1902 bis 1908 fanden weitere
Ausstellungen des Vereins Hektor statt. Höhepunkt war eien Ausstellung im Februar 1908 in den Ausstellungs-
hallen des Zoologischen Gartens mit 1.400 ausgestellten Hunden. Danach nahm jedoch die Teilnahme an der-
artigen Ausstellungen des Vereins Hektor ab, da inzwischen die auf bestimmte Rassen konzentrierte Spezial-
klubs ihre eigenen Ausstellungen organisierten.

Mitgliedskarte des Vereins "Hektor"
Mit dem Aufkommen der Spezialklubs nahm die Bedeutung des Vereins Hektors ab. Hektor war ein reiner Aus-
stellungsverein geworden, dem die Spezialklubs das "Wasser abgruben". Streitigkeiten in den Führungsebenen
des Vereins und der 1. Weltkrieg führten fast zum Untergang des Vereins.
Doch der Verein Hektor rappelte sich unter neuer Führung wieder auf und wurde neu aufgestellt, beschäftigte
sich neben den Ausstellungen auch wieder verstärkt mit dem Hundesport (insbesondere in Berlin)und organisierte
zu seinem 50jährigen Bestehen zusammen mit dem Deutschen Kartell für Hundewesen eine Jubiläumsausstellung
(19.-20. Juni 1926) in Berlin am Kaiserdamm mit über 1.500 Hunden.
6. Delegierten-Commission
Aufgrund erster Differenzen zwischen den deutschen Rassehundevereinen bezüglich der Zuständigkeiten und
insbesondere hinsichtlich der Definition der Rassekennzeichen (Standards) und Führung eines gesamtdeutschen
Hunde-Stammbuches kamen die Vereine zusammen unter der Vermittlung vom Grafen Waldersee, Prinzen Solms,
von Schmiedeberg und Ludwig Beckmann. Man beschloss die Gründung einer gemeinsamen Commission, die sich aus
den Delegierten der deutschen Rassehundvereine zusammensetzte. Hauptzweck der Delegierten-Commission war die
Anlage und Führung des Deutschen Hundestammbuches und gab im Jahre 1880 das erste Deutsche Hunde-Stammbuch
(D.H.St.B.) für alle Rassen heraus.
Am 26. April 1880 wurde die Delegierten-Commission gegründet von den Rassehundevereinen "Verein zur Ver-
edelung der Hunderassen in Hannover", "Verein Hector in Berlin", "Club zur Prüfung für Hühnerhunde in
Stassfurt", "Verein "Nimrod" in Oppeln" und dem "Norddeutschen Hetzclub".
Aus dem Vorwort des 1. Stammbuches von 1880 und Protokoll der Gründungsversammlung:
"Der Wunsch, ein übersichtliches Buch zu besitzen, in dem man ohne Mühe die Namen wirklich edeler, sich
in Deutschland befindender Hunde, nebst Namen und Adresse, der Besitzer, in sachgemässer Weise verzeichnet
und geordnet findet, ist schon vielfach ausgesprochen worden. Bis jetzt aber wurde in Bezug hierauf noch
weiter nichts veröffentlicht -weder von Vereinen noch Privatpersonen- als einzelne Notizen, die der Anlage
später herauszugebender Bücher zur Grundlage dienen sollten. Zum ersten Mal wurden solche Notizen am 15.
December 1878 vom ehemaligen Verein zur Veredelung der Hunderacen in Hannover und darauf am 15. März 1879
vom Verein "Hector" im Vereinsorgan "Der Hund" zu weiterer Kenntniss gebracht. Da aber vielen Züchtern
nicht gedient ist, wenn sie mehrere Stammbücher sich anschaffen und studieren müssen, so fanden bald Ver-
handlungen zwischen den bestehenden Vereinen über die Errichtung eines gemeinsamen Stammbaumbuches mit
dem Titel Deutsches Hunde-Stamm-Buch statt, und führten dieselben endlich durch den Beschluss einer Dele-
gierten -Versammlung, die am 26. April 1880 zu Hannover abgehalten wurde, zu einem befriedigenden Ergebnis,
über welches das hier folgende Protokoll das Nähere besagt:
Nachdem von den nachbenannten Vereinen Verein zur Veredelung der Hunderacen für Deutschland, Verein
"Hector" - Berlin, Club zur Prüfung für Hühnerhunde - Stassfurt, Norddeutscher Hetzclub, Verein "Nimrod"
- Oppeln eine Vereinbarung dahin getroffen war, dass die über Errichtung eines Allgemeinen Deutschen Hunde-
Stamm- Buches angeregte Frage in einer bei Gelegenheit der, von dem Verein zur Veredelung der Hunderacen
für Deutschland in Hannover veranstalteten Internationalen Preissuche abzuhaltenden Conferenz, welche von
den Vereinen durch Bevollmächtigte zu beschicken sei, endgültig geregelt werden solle, waren behufs Ab-
haltung dieser Conferenz am 26. April dieses Jahres in Kasten´s Hotel zu Hannover erschienen:
-Herr General Graf von Waldersee, Herr Emil Meyer (für den Verein zur Veredelung der Hunderacen für Deut-
schland),
-Herr A. Radezki, Herr Fr. Behrens (für den Verein "Hector" in Berlin),
-Herr Baron W. von Alvensleben (für den Norddeutschen Hetzclub ),
-Herr Rechtsanwalt Dr. Hagemann (für den Hühnerhund-Prüfungsclub),
wogegen der Verein "Nimrod" - Oppeln, obgleich die Anregung der zu erledigenden Frage von ihm mit ausge-
gangen war, leider unvertreten geblieben war."
Darüber hinaus wurden auch die Rassekennzeichen der deutsche Hunderassen festgesetzt, erst Jagdhunde,
später Luxushunde (Rassehunde ohne spezifische Gebrauchseigenschaften).
Es zeigte sich schon bei der Gründung, dass es Differenzen zwischen den beteiligten Vereinen gab, die sich
nach Gründung fortsetzten. So gab es zwar ein Zuchtbuch, welches von den beteiligten Delegierten der
Vereine verantwortet wurde. Operativ geführt wurde es aber vom Verein zur Veredelung der Hunderassen in
Hannover, der sich nicht immer an die vereinbarten Richtlinien hielt und seinen Schwerpunkt auf die
Jagdhunde und weniger auf die Nicht-Jagdhunde (als Luxushunde bezeichnet) legte. So war die Zulassung
der "Luxushunde " z.T. mit Schwierigkeiten verbunden. Diese Priorisierung gefiel einigen der anderen
Vereinen nicht. Die Zucht der Hunderassen war inzwischen auf breitere Grundlage gestellt worden und
nicht mehr nur in den Händen der Adligen und Jäger, die die Rassehundezucht begründeten.
Unabhängige spezialisierte Rassehundevereine waren entstanden, die ihre eigenen Zuchtbücher herausbrachten.
Der allgemeine Aufschwung des Hundewesens in Deutschland wurde von Geschäftemachern ausgenutzt und führte
zu unhaltbaren Zuständen im Ausstellungswesen und den Hoheiten über die Rassestandards, ohne dass die Dele-
gierten-Commission eingriff. Die Rassehundevereine schossen aus dem Boden und für eine Hunderasse gab es
mehrere Vereine. Diese Vereine wollten sich einer zentralistisch geführten Delegierten-Commission nicht
unterordnen. Das Deutsche Hundestammbuch verlor seine Bedeutung und damit auch die Delegierten-Commission.
Erst duch die Gründung des Deutschen Kartells für Hundewesen, der jeweils nur einen Verein pro Rasse an-
erkannte und den Vereinen eigene Zuchtbücher und Führungs- und Organisationsfreiheiten ließen, wurde
diese Entwicklung unter diesem neuem Dachverband des Kartells wieder geordnet. Es bestanden nun mit der Dele-
gierten-Commission und dem Deutschen Kartells für Hundewesen zwei deutsche Dachverbände nebeneinander.
Rassehundevereine, die sich diesen Dachorganisationen nicht angeschlossen hatten, hatten keine Überlebens-
chance.
Die Delegierten-Commission war neben dem Deutschen Kartell für Hundewesen (DKH) Gründungsmitglied der
Fédération Cynologique Internationale (FCI) von 1911.
Aus dem Deutschen Kartell für Hundewesen, der Delegierten-Commission und dem Verband von Vereinen zur
Prüfung von Gebrauchshunden zur Jagd (JGV, später JGHV) wurde am 1. Oktober 1933 der Reichsverband für das
Deutsche Hundewesen (RDH) gegründet. Die Dachgesellschaften des Hundewesens Deutsches Kartell für Hundewesen,
Delegierten-Commission und dem Verband von Vereinen zur Prüfung von Gebrauchshunden zur Jagd lösten sich
im Rahmen der Gleichschaltung der deutschen Vereine durch die Nationalsozialisten am 31. Dezember 1933 auf.
Verfügung des "Geheimen Staatspolizeiamts" Berlin SW 11, Prinz-Albert-Str. 8 vom 20. Juni 1935:
"Auf Grund des § 1 der Verordnung des Reichpräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933
(RGBl. 1 G.83) in Verbindung mit §§ 14 und 41 des Polizeiverwaltungsgesetztes wird die Delegierten-Commission
für Deutsche Hundezucht (DC) aufgelöst und verboten. Das kynologische Aktenmaterial und das Vermögen der DC
wird vorbehaltlich einer späteren Einziehung beschlagnahmt und sicher gestellt. Zuwiderhandlungen gegen dieses
Verbot werden auf Grund des § 4 der BD. des Reichspräsidenten vom 28.Februar 1933 bestraft."
7. Deutsche Kartell für Hundewesen (DKH)
Entstehung und Gründung
Jübiläumsschrift anlässlich des 25 jährigen Bestehens des DKH
Das Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs für Jagd- und Nutzhunde (kurz: Das Kartell) war ein Dach-
verband von Spezialklubs für Jagd- und Nutzhunde. Es wurde am 16. Juli 1906 in Frankfurt am Main gegründet.
Die Initiative dazu hatten Ernst von Otto und Albert de Gingins ergriffen. An der Gründung nahmen teil: der
1893 gegründete Griffon-Klub (Club von Albert de Gingins), der 1896 gegründete Barsoi-Klub (Club von Ernst
von Otto), der Teckelklub (1888 gegründet), der 1902 gegründete Setter-Klub, der 1889 gegründete Fox-
terrier-Klub, der 1890 gegründete Kurzhaar-Klub, der Verein für Deutsche Schäferhunde (gegründet 1899) und
der 1899 gegründete Drahthaar-Terrier-Klub.
In Hannover findet am 26. Mai 1907 der 1. Kartelltag statt und beschließt eine Ausstellungsordnung.
Im Jahr 1908 änderte das Kartell seinen Namen in "Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs". 1914 wird
eine erneute Namensänderung beschlossen. Das Kartell hieß dann "Kartell der Rassezuchtvereine und all-
gemeinen Verbände", ab 1925 "Deutsches Kartell für Hundewesen (DKH)".
Zu Beginn des Vereins gab es keine Führungsstruktur mit einem Präsidenten etc. sondern einen auf dem
Kartelltag im Jahr 1908 eingerichteten Dreierausschuss, der auch nur zur Erledigung dringender Angelegen-
heiten, die nicht auf die nächste Kartellsitzung warten konnten, befugt war. Alle drei Mitglieder des
Ausschusses mussten übereinstimmend entscheiden. Die erste Arbeit des Ausschusses war die Neubearbeitung
der Satzung des Kartells und wurde auf dem Kartelltag in Berlin im Jahre 1911 verabschiedet.
In diesem Dreierausschuss waren Baron von Gingins, Ludwig Ferdinand Diefenbach und Ernst von Otto ver-
treten. Diese Drei waren in der Anfangszeit die wichtigsten Vertreter und Treiber zur Gründung des
Kartells:
Baron Louis Henri Albert de Gingins et d’Eclépens, kurz: Baron von Gingins, geb. 26. Juli 1859, gest. 05.
August 1911 war 1 Vorsitzende des Griffons-Clubs und 1. Vorsitzende des Kartells, nachdem auch das Kartell
eine hierarchische Führungsstruktur bekam.

Baron Louis Henri Albert de Gingins et d’Eclépens
1890 lernte er in Biebesheim Eduard Korthals kennen, den Erstzüchter des Griffon Korthals. Er trat dem
deutschen Griffon-Club bei, wo er sich für ein zentral geführtes Zuchtbuch einsetzte, und setzte nach
Korthals’ Tod 1896 dessen Zuchtbemühungen fort. Seine Hunde wurden vielfach preisgekrönt.
Von 1894 bis 1900 besaß der Baron das Hofgut Hohenwald und betrieb dort ein Sozialwerk und eine Hundezucht.
Während das soziale Werk und die Zeit des Barons in Oberhöchstadt weitgehend in Vergessenheit geraten sind,
trifft das auf seine Errungenschaften im Hundewesen nicht zu. Dem Griffonklub, dessen Vorsitzender er war
und dem er testamentarisch eine Schenkung von 60 000 Goldmark vermachte, ehrte ihn nach seinem Tod mit
einer Gedächtnismünze für besondere Zuchtleistungen.
Ludwig Ferdinand Diefenbach
Ludwig Ferdinand Diefenbach, geb. 05. März 1865, gest. 10. September 1932 galt als bedeutender
Kynologe. Er leitete 25 Jahre als 1. Vorsitzender den Klub für rauhaarige Terrier. Über diese
Hunderasse verfasste er ein Fachbuch "Der rauhaarige Terrier und seine Erziehung". Er förderte
aber auch die anderen Terrier-Rassen, wie z.B. Airedale- und Schottische Terrier, die er auch
selber züchtete. Für die Terrier-Rassen war Diefenbach anerkannter Richter im In- und Ausland.
Er war, nachdem auch das Kartell eine hierarchische Führungsstruktur bekam, bis zu seinem Tod
2. Vorsitzender des Kartells.
Ernst von Otto, geb. 26. Juli 1861 in Possendorf, gest. 1938, war Jurist, studierte später Natur-
wissenschaften und lebte in Bensheim/Hessen.
Otto war Mitbegünder der ersten kynologischen Zeitschrift "Hundesport und Jagd", die er von 1885
bis 1914 herausgab. Er reformierte das gesamte Züchtungs- und Ausstellungswesen, war selbst züchterisch
tätig und galt als hervorragendster Kynologe in Deutschland.
Otto organisierte die Hundestammbücher für die Spezialklubs Kurzhaar, Teckel und Bernhardiner.
Er war Autor einiger Bücher u.a. "Jedermanns Hundebuch" und "Der Kriegshund, dessen Dressur und
Verwendung". Otto war Richter auf Nationalen und Internationalen Ausstellungen und züchtete die
Rasse Barsoi.
1912 schied von Otto als 3. Vorsitzender des Kartells auf eigenem Wunsch aus dem Kartellvorstand
aus und wurde von Jakob Mattern ersetzt.
Im Kartell galt Ernst von Otto als Motor für die Strukturierung der Organisation. Das DKH hatte
auf sein Betreiben hin 5 Abteilungen: Zucht- und Zuchtbuchwesen, Ausstellungswesen, Jagdgebrauchs-
hundewesen, Dienstgebrauchshundewesen und Auslandswesen. Die Abteilungsleiter dieser Bereiche
bildeten mit den Mitgliedern des Vorstandes den Gesamtvorstand. Dazu kamen noch Beiratsmitglieder
für das wissenschaftliche und rechtskundige Gebiet, für den Nachweis des volkswitschaftlichen
Wertes des deutschen Hundewesens und das Pressewesen. Die Beiratsmitglieder wurden vom Gesamt-
vorstand berufen.
Dr. Kurt Roesebeck
Nach dem Tod von Baron von Gingins 1911 wurde von Dr. Roesebeck als neuer 1 Vorsitzender gewählt.
Dr. Kurt Roesebeck, geb. 22. Februar 1871, gest. am 02. Februar 1947 war Sanitätsrat. Er war der
erste Ärztliche Direktor und Leiter der Chirurgischen Abteilung des Krankenhauses "Siloah"
(heutiges Lehrkrankenhaus der medizinischen Hochschule) in Hannover.
Roesebeck war ein Liebhaber und Züchter des Deutschen Schäferhundes. 1904 trat er dem "Verein
für deutsche Schäferhunde" als Mitglied bei. Er wurde 1909 als 2. Schriftwart im Vorstand und
1913 als 2. Vorsitzender im "Verein für deutsche Schäferhunde" gewählt. Im Jahr 1935 wurde er
Nachfolger von Rittmeister von Stephanitz 1. Vorsitzender des Schäferhundvereins.
Von 1911 bis 1933 war er 1. Vorsitzender des Kartells.
Roesebeck musste mit Auflösung des Kartells unter den Nationalsozialisten 1933 als 1. Vorsitzender
des Kartells abtreten und war als Berater für Hans Glockner, dem Vorsitzenden des neuen zentralen
Reichsverbands für das Deutsche Hundewesen (RDH), tätig. Während der Machtübernahme der National-
sozialisten, die das Kartell auflösten, war er Verbandsführer des RDH, Preisrichter, Reichsobmann
der Fachschaft Deutscher Schäferhunde (1935 bis 1945) und Schriftleiter der Zeitung der Fachschaft
für Deutsche Schäferhunde. Er hat sich schnell mit den Nationalsozialisten arrangiert, wie dieser
kurze Abriss aus der "Zeitung der Fachschaft für Deutsche Schäferhunde" aus dem Jahr 1940 sehr
deutlich zeigt:
"....Unser Führer hatte durch seinen unbeugsamen Willen und den unerschütterlichen Glauben an sein
Volk das Großdeutsche Reich geschaffen und damit unsere deutschen Brüder in das Reich zurückgeführt.
Dieser beispiellose Erfolg ließ aber unsere Gegner nicht ruhen. Sie trachteten danach, das neue,
starke Großdeutschland wieder zu verderben. Unser Hauptfeind das freimaurerisch-jüdisch durchsetzte
England begann wieder das alte Spiel der Einkreisung Deutschlands. Zwar nicht mit den gleichen
Erfolgen wie vor dem Weltkriege, aber es gelang ihm doch, Polen aufzustacheln und zum gefügigen Werk-
zeug englischen Kriegswillen zu machen. In einem Siegeszug von ungeahnter Schnelligkeit zerschmetterte
unsere Wehrmacht den polnischen Brandstifter und vergalt mit diesem Strafvollzug die Ermordung und
Unterdrückung ungezählter Volksdeutscher.......Der uns aufgezwungene Krieg hat nun natürlich eine
Störung unserer Arbeit herbeigeführt. Da aber das deutsche Volk in Ruhe und Zuversicht den Dingen
ins Auge schaut und in unerschütterlichem Vertrauen und festen Glauben an seinen Führer siegesgewiss
in die Zukunft blickt, ist nach den ersten alarmierenden Wochen bereits wieder Ruhe eingekehrt..."
Roesebeck war also ganz auf Linie der Nationalsozialisten und analysierte in einer Hundezeitschrift,
die weltpolitische Lage im Sinne der Nationalsozialisten.
Er veröffentlichte das Buch "Ueber Begutachtung von Hunden" und "Der Deutsche Schäferhund", 1938.
Jübiläumsschrift anlässlich des 20 jährigen Bestehens des DKH
Aus dem Kartell-Ausschuss wurde dann der Kartell-Vorstand. Der Vorstand hatte aber keine Ent-
scheidungshoheit, denn diese sollte weiterhin nur auf den Kartelltagen von den Mitgliedern der
Spezialklubs wahrgenommen werden. Der Kartellvorstand war damit Ausführungsorgan des Kartelltages
und hatte dafür zu sorgen, dass die Beschlüsse des Kartelltages in die Praxis umgesetzt wurden.
1922 wurde der Kartellvorstand von 3 auf 5 Mitglieder vergrößert und setzte sich aus Dr. Kurt
Roesebeck, Ludwig Ferdinand Diefenbach, Jakob Mattern, Franz Bazille und Max Näther zusammen.
Jakob Mattern
Jakob Mattern, Neustadt/Haardt, gest. 11.12.1928, war ab 1912-1927 der 3. Vorsitzender des Kartells.
Mattern war von vielen Rassehundevereinen als Richter anerkannt. Seiner besonderen Vorliebe galt
den deutschen Doggen, kurzhaarigen Vorstehhunden und dem Teckel.
Er war Vorsitzender des südwestdeutschen Kurzhaar-Klubs, Teckelklubs und des Verbandesallgemeiner
Vereine.
Franz Bazille
Franz Bazille (* 23.01.1876 - † 12.10.1952), Oberpostinspektor war von 1922-1933 Geschäfts-
stellenleiter des Kartells. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933, wurden
die Vereine gleichgeschaltet und das Kartell aufgelöst. Während der Kartell-Zeit schloß Bazille
mit 25 ausländischen kynologischen Gesellschaften Gegenseitigkeitsverträge ab. Die letzten 6
Jahresausstellungen vor 1933 wurden von ihm geleitet. Nach 1933 wurde er Reichsausstellungswart
und Auslandsbeauftragter im Reichsverband für das Deutsche Hundewesen (RDH). Er war Hundesport-
gauführer des Gaues Südwest (eine leitende Funktion in einer Art Landesverband) und Reichsobmann
der Fachschaft "Pudel" (die eigenständigen Rassevereine wurden bei der Zentralisierung und Gleich-
schaltung unter den Nationalsozialisten zu Fachschaften; eine Art Abteilung des RDH).
Nach dem 2. Weltkrieg brachte Bazille sein Know How in den Aufbau des VDH ein und war hier ins-
besondere aktiv beim Aufbau des VDH und als Sachverständiger in züchterischen Fragestellungen
und des Ausstellungswesens. Er engagierte sich auch im Allgemeinen Deutschen Rottweilerklub (ADRK)
als geschäftsführender Vorsitzender
In der kynologischen Literatur hatte sein Buch "Die Kennzeichen unserer Rassehunde" Bedeutung.
Daneben verfasste er die Werke: "Der Deutsche Pudel in Wort und Bild" und "Der Rottweiler in Wort
und Bild", woraus sich schon sein Hauptaugenmerk hinsichtlich dieser Hunderassen ableiten lässt.
Max Näther, Untermenzing bei München
Max Näther, Untermenzing bei München (* 26.07.1867 - † 1938) wurde 1921 1. Vorsitzender des St. Bernhards-
klubs, dem er schon 1897 beigetreten war.
Er war 1902 als Schriftführer und 1903 als Redakteur des Spezial-Hundestammbuch "Bernhardiner" im
St.Bernhardsklub aktiv.
1922 trat er dem Vorstand als 4. Vorsitzender des Kartells bei.
Nach Auflösung der Spezialklubs im Jahr 1933 und Integration als Fachschaft im zentralen Reichsverband für
Hundewesen (RDH) übernahm Max Näther das Amt als Reichsobmann der Fachschaft Bernhardiner.
Max Näther war von 1927-1930 Bürgermeister von Untermenzingen und versuchte die Eingemeindung von Unter-
menzingen in die Stadt München zu verhindern. München-Untermenzingen ist heute ein Stadteil von München.
Eine Straße in München-Untermenzingen wurde nach Max Näther benannt.
Das Kartell nahm stetig an Mitgliedern bzw. beitretenden Rassehundevereinen zu. Zum Kartelltag in Frankfurt
am 6. Juni 1909 hatte das Kartell schon 12.000 Mitglieder und 16 stammbuchführende Spezialklubs als Mit-
glieder. 1925 gehörten dem Kartell 25 Rassezuchtvereine und 8 Landesverbände an, die zusammen 87.049 Mit-
glieder hatten.
Kartellausstellung 1926 in Berlin
Statt eines zentralen Zuchtbuches führte jeder Spezialklub sein eigenes Zuchtbuch, entschied eigenständig,
wie die Hunderasse "gestaltet" wurde und war auch in Führung und Organisation sehr selbständig. Nur die
Hunde in diesen angeschlossenen Spezialvereinen wurden anerkannt und konnten auf den Ausstellungen oder
Hundesportveranstaltungen auftreten.
Beim Kartell sollte sich um eine Gemeinschaft von gleichgestellten Vereinen handeln. Beschlüsse sollten ein-
stimmig gefasst werden. Beschlüsse binden dann aber auch alle Kartellmitglieder. Es wurde eine Geschäftsstelle
eingerichtet, deren Tätigkeiten der Griffonklub des Barons von Gingins operativ übernahm. Der Leiter der Ge-
schäftsstelle R. Winkler übernahm diese Aufgabe bis zum Kartelltag im Jahr 1922 und wurde dann von Fr.
Bazille abgelöst.
Vorstand im Jahr 1931; von links nach rechts: L.F. Diefenbach II. Vors., H. Glockner III. Vors.,
Dr. Roesebeck I. Vors., O.Lisch Iv. Vors. u. Fr. Bazille Geschäftsf. Vors.
Es wurde auch immer nur ein Verein für eine Hunderasse anerkannt. Neuaufnahmen von Rassehunde-
vereinen konnten nur mit Zustimmung aller im Kartell vertretenden Vereinen vorgenommen werden. Rassehunde-
vereine, die kein eigenes Zuchtbuch führten wurden im Kartellzuchtbuch aufgenommen.
Das Kartell lebte in Koexistenz zur Delegierten-Commission. Es gab zahlreiche Bemühungen und Treffen des
Kartells mit der Delegierten-Commission um einen gemeinsamen Auftritt oder Zusammenschluß zu organisieren,
die aber alle im Sande verlaufen sind. Die beiden Dachorganisationen erkannten sich gegenseitig an und
hoben diese Anerkennung auch wieder auf. Dies wirkte sich insbesondere im Ausstellungswesen aus.
Das Deutsche Kartell für Hundewesen war neben der Delegierten-Commission Gründungsmitglied der Fédération
Cynologique Internationale (FCI) von 1911.
Trotz des 1. Weltkrieges und der Inflationszeit und wirtschaftlichen Krisen der 20er Jahre behauptete
sich die Organisation des Kartells und überwand auch diese schwierigen Zeiten und hatte bald nach dem
Weltkrieg wieder die Größe, Anzahl an Ausstellungen und Hundesportaktivitäten wie vor dem Krieg.
8. Gleichschaltung der Rassehundeverbände im Nationalsozialismus
Aus dem Deutschen Kartell für Hundewesen, der Delegierten-Commission und dem Verband von Vereinen zur
Prüfung von Gebrauchshunden zur Jagd (JGV, später JGHV) wurde am 1. Oktober 1933 der Reichsverband für
das Deutsche Hundewesen (RDH) gegründet. Die Dachgesellschaften des Hundewesens Deutsches Kartell für
Hundewesen, Delegierten-Commission und dem Verband von Vereinen zur Prüfung von Gebrauchshunden zur
Jagd lösten sich im Rahmen der Gleichschaltung der deutschen Vereine durch die Nationalsozialisten am
31. Dezember 1933 auf.
Walter Busack berichtete wie folgt von diesen Geschehnissen (Die Hundewelt, 1956):
"Kurz nach der Machtübernahme durch die NSDAP wurde ich telefonisch durch die Reichsleitung SS davon in
Kenntnis gesetzt, daß man mich sofort in meiner Privatwohnung aufsuchen würde, um mit mir zu verhandeln.
Ich lehnte diese Unterredung in meiner Privatwohnung ab und schlug einen neutralen Ort für diese Verhandlung
vor. Wir einigten uns für diesen Samstag auf ein Café in Berlin-Zehlendorf. Als ich dort hinkam fand ich
einen Vertreter der Reichsleitung SS und einen jetzt in den USA lebenden Tierarzt vor. Man trug mir folgendes
vor: Weil sich der damalige Präsident des Hundewesens, Herr Hans Glockner, erst am letzten Tage des möglichen
Eintritts in die NSDAP aus wirtschaftlichen Gründen zur Partei gemeldet hätte, müsste er abgesetzt werden.
Ich sollte an seine Stelle treten, meine Ernennung würde in der kommenden Dienstags-Nummer des Völkischen
Beobachters veröffentlicht werden. Als erste Bedingung wurde von mir verlangt, daß ich mit einem Kommando der
SS die Delegierten-Commission an Ort und Stelle wegen demokratischer Verfassung aufzulösen und zu Gunsten
der SS zu schließen hätte. Ich unterbrach hier die Verhandlung sofort und erklärte, daß ich für eine
Präsidentschaft überhaupt nicht in Betracht kommen könne, daß ich ferner auch unter anderen Umständen ab-
lehnen müsste, die DC so wie vorgeschrieben auzulösen. Damit war die Unterredung beendet."
Walter Busack unterrichtete Hans Glockner und den den Geschäftsführer der DC Neumann über das Gespräch.
2 Tage später nach der Unterredung wurde die Geschäftsstelle der DC von der SS geschlossen und die
Mitarbeiter nach Hause geschickt. Das Vermögen von 8.000 Reichsmark wurde beschlagnahmt. Walther Busack
hat noch die Zuchtbücher und die Bibliothek der DC in Sicherheit gebracht. Busack wurde nach dieser Aktion
noch durch die Nationalsozialisten wegen "Verächtlichmachung des Deutschen Heeres" verfolgt.
Unter den Präsidenten Vetter und später Manthey des Reichsverband für das Deutsche Hundewesen (RDH)
wurden Versuche unternommen, nach der Zerschlagung der Dachgesellschaften der Rassezuchtvereine einen
Einheitsverband zu bilden.

Karl Vetter (*15.04.1895 in Todtnau; †14.01.1964 in Bahía Blanca, Argentinien)
Karl Vetter wurde 1929 Mitglied der NSDAP und war 1933-45 Mitglied des Reistages für die NSDAP.
Die Fachschaften und Vereine konnten sich lange gegen diese Versuche wehren. Es gab nur noch eine Zeitschrift
unter dem Namen "Der Hund", die aus der Zeitschrift "Die Hundewelt" hervor gegangen war.
Arno Manthey (1888-1941)Präsident des Reichsverband für das Deutsche Hundewesen (RH) ab 1939
war SA-Ortsgruppenführer und fiel im 2. Weltkrieg im Jahr 1941. Er war schon früh Mitglied der NSDAP. Seine
Zielsetzung war die Rassehundevereine im Reichsverband für das Deutsche Hundewesen gleichzuschalten. Es
gab aber Widerstand der Rassehundevereine und so wurde erstmal nur eine kleine Restrukturierung vorgenommen
und auf der Kriegstagung des RH verabschiedet.
Auf der Tagung des Reichsverbands für Hundewesen am 15.02.1941 gab es folgende Einigung:
Die Zuchtfachschaften, als die Träger der Zucht, bleiben wie seither bestehen und mit ihnen die Unter-
gliederungen, als die werktätigen Arbeiter und Förderer der Zucht. Das Gleiche gilt für die Fachschaft für
Gebrauchshunde. Sanitätsrat Dr. Roesebeck-Hannover wurde zum Stellvertreter des Präsidenten (Anm.: zu
der Zeit Arno Manthey) berufen und die bewährten Fachmänner, als die Säulen des RH, zu Reichsobmännern
des RH ernannt. Der Reichsobmann für das Zuchtwesen ist D. Sachs-Darmstadt, Reichsobmann für das Aus-
stellungswesen in seiner Gesamtheit wurde Fr. Bazille-Stuttgart, Reichsobmann für das gesamte Abrichtungs-
und Prüfungswesen J. Sir-Wittgensdorf. Die Organisation des Zuchtbuchwesens ist dem Beiratsmitglied Direktor
Schaeller-Augsburg übertragen, der auch die Bearbeitung des Leistungsbuches übernimmt. Die Geschäfte des RH
sind somit dezentralisiert, die Kosten sind verringert, da die Reichsobmänner ehrenamtlich und selbstständig
arbeiten. Die seitherigen Vorsitzer der Landesgruppen sind Landesfachschaftsleiter des RH, und über den
Ortsfachschaften, der Zuchtwartschaften und der Fachschaft für Gebrauchshunde , sowie über den allgemeinen
kynologischen Vereinen steht der Ortsfachschaftsleiter des RH."
Die Vereine, die jetzt Rassefachschaften hießen, blieben bestehen.
Unter Der Präsidentschaft von Müller sollte dann im März 1945 die Auflösung der Vereine und die Gleich-
schaltung in einem Einheitsverband abgeschlossen werden. Dieses Dekret sollte im April 1945 veröffentlicht
werden. Dazu kam es allerdings nicht mehr, da die Herrschaft der Nationalsozialisten mit Ende de 2. Welt-
krieges beendet war.
9. Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH)
Nach dem 2. Weltkrieg waren nur noch Trümmer des deutschen Hundewesens (Rassehunde-und Hundesportvereine)
vorhanden. In Westdeutschland fanden sich ab 1947 die Initiatoren zum Wiederaufbau in der amerikanischen,
britischen und französischen Besatzungszone zusammen, um mit den Militärregierungen über den Wiederaufbau
der Rassehundevereine und deren Zusammenschluss unter einer Organisation für ganz Westdeutschland zu ver-
handeln.
Organisiert vom Schäferhund-Verein wurden 1948 die Vertreter aller Rassezuchtvereine zu einer Arbeitsge-
meinschaft nach Schwetzingen eingeladen mit dem Ergbenis, dass Landesverbände für das deutsche Hundewesen
gegründet wurden. Der Arbeitsgemeinschaft konnten dann etwas später auch Rassezuchtvereine Westdeutschlands
beitreten und war damit die Vororganisation vor Bildung und Anerkennung des VDH. Es wurde auch beschlossen
eine Fachzeitschrift "Unser Rassehund" (erschien ab 1949) zu publizieren.
Otto Borner übernahm die umfangreiche Organisationsarbeit für die Geschäftsstelle und Leitung. Es entstand
in Deutschland eine neue Dachorganisation am 11. Juni 1949 mit dem Verband für das Deutsche Hundewesen e.V.
(VDH), der von der Bundesregierung anerkannt und registriert wurde. Der VDH verstand sich als Nachfolge-
organisation des Deutsche Kartell für Hundewesen (DKH) und übernahm viele Strukturen des DKH.
Dem "neuen" Dachverband gehörten 31 Rassehundezuchtvereine, ein Gebrauchshundeverein und zehn Landesverbände
an.
Der VDH organisierte sich ähnlich, wie es damals das DKH tat. Es wurden die Abteilungen Zucht- und Zuchtbuch-
wesen, Dienstgebrauchshundewesen, Jagdgebrauchshundewesen, Richter- und Ausstellungswesen, Landesverbandswesen
und Auslandswesen aufgesetzt.
Am 22. Dezember 1950 wurde der Vertrag mit der Féderation Cynologique Internationale (FCI) mit dem VDH
abgeschlossen und unterzeichnet und trat am 1. Januar 1951 in Kraft. Deutschland war mit dem Dachverband
der Rassehundevereine wieder international integriert in der FCI. Die FCI hat damit den VDH als führenden
Verband (in jedem Land erkennt die FCI nur einen Verband an) der Bundesrepublik Deutschland anerkannt. Diese
internationale Anerkennung kurz nach Ende des 2. Weltkrieges war keine Selbstverständlichkeit und eine der
ersten internationalen Aktivitäten Deutschlands. Die Vergabe des internationalen Schönheitschampions und der
benötigten Anwartschaften des CACIB (Certificat d'Aptitude au Championat International beauté) war wieder
möglich auf deutschen Ausstellungen.
Heute hat der VDH 176 Mitgliedsvereine mit insgesamt 650.000 Mitgliedern.