Die Geschichte der Rassehundevereine

Inhaltsverzeichnis

1. Selbstverständnis der damaligen Kynologie und Rassehundevereine

2. Festlegung der Rassekennzeichen bzw. des Standards

3. Entstehung und Organisation der Rassehundevereine

4. Verein zur Veredelung der Hunderacen, Hannover

5. Verein Hektor (auch "Hector"), Berlin

6. Delegierten-Commission

7. Deutsche Kartell für Hundewesen (DKH)

Ausstellung des Vereins "Hector"



1. Selbstverständnis der damaligen Kynologie und Rassehundevereine

Es bestand die Auffassung, dass es zuerst klar getrennte Rassen gegeben hätte. M.a.W. die nun im Rahmen

der Rassehundevereine gezüchteten Hunderassen hätte es schon einmal vor langer Zeit gegeben. Im Mittel-

alter oder in der Frühneuzeit seien diese "mustergültigen" Rassen entstanden; also lange vor dem 19.

Jahrhundert (dem eigentlichen Beginn der Rassehundezucht). In zahlreichen Schriften zur Entstehung der

Hunderassen wurde die folgende Erklärung angeführt:

Griechen, Römer und Germannen (z.T. noch davor Torfhunde etc.) hätten schon diese Hunderassen oder

deren Ursprünge gezüchtet. Während des Mittelalters bildete sich dann im 16. Jahundert, spätestens

im 17. Jahrhundert die "richtige" bzw "constante" Hunderasse heraus. Danach hätte eine Vermischung

stattgefunden, mit deutlich schlechteren Resultaten bezüglich Leistung (meistens Jagd gemeint) und

Schönheit. Nach damaliger Meinung musste auf Rassereinheit geachtet werden, um den schädlichen Einfluß

von Kreuzungen zu vermeieden. Die Regellosigkeit der bisherigen Hundefortpflanzung würde zur Ver-

wüstlichung der "trefflichen" Merkmale führen. Also hat man sich auf die Rassereinheit der "alten" Zeit

besonnen und mit den Ende des 19 Jahunderts entstandenen Hunderassen die Nachfolger dieser bereits vor

Jahunderten reinzüchterisch entstandenen "richtigen" Rassen zurückgezüchtet. Die Kynologen dieser Zeit

haben sich daher nicht als Schöpfer dieser Hunderassen betrachtet, da sie ja nur "Altes" zurückgebracht

bzw. gezüchtet hätten.

Diese Logik entstand aus dem Selbstverständnis des Adels, der sich insbesondere aus diesem Grund der

Rassehundezucht annahm. Die Verankerung der "richtigen" schon bestehenden Hunderassen im Mittelalter

oder der neuen Frühzeit des 16. u. 17 Jahunderts basierte aus Sicht des Adels auf klare hierarchische

Strukturen, die sich der Adel Ende des 19. Jahunderts zurückwünschte. Das 19 Jahrhundert war durch In-

fragestellung des Adels und dessen Privilegien geprägt. Der Adel sehnte sich nach der alten Zeit zu-

rück und interpretierte also alle positiven Entwicklungen in diese "alte" Zeit zurück, obwohl es im

Mittelalter oder Frühen Neuzeit des 16./17. Jahunderts gar keine geplante und organisierte Hundezucht

gab, die zu rassereinen Hunden geführt hätte. Diese Vergangenheitsidealisierung führte in der Konsequenz

zu der Logik, diese "alten" Hunderassen wieder zurückzuzüchten und dann als Hunderasse zu stabilisieren,

d.h. Verpaarung ergeben (insbesondere phänotypisch) immer das gleiche Ergebnis und keine Mischlinge.

Die Ablehnung von "Blutvermischung" in der Rassehundezucht hatte mit dem adligen Verständnis von der

"Reinhaltung des adligen Blutes" zu tun.

Bevorzugt wurden am Anfang der Rassehunde-Bewegung die Jagdhunderassen. Eine Vielzahl von gegründeten

Rassehundevereine konzentrierte sich zu Beginn auf die Rassehunde, die zur Jagd eingesetzt wurden. Dies

hatte ebenfalls viel mit dem Selbstverständnis des Adels zu tun, da die Jagd die Domäne des Adels war.

Die Reinzucht der Jagdhunderassen stand im Mittelpunkt der ersten gegründeten Vereine.

Auch das Verhalten des Adels seine Abstammung in Ahnentafeln zu dokumentieren führte zur Aufstellung

von Ahnentafeln für Rassehunde und deren Dokumentation in Stammbüchern.

2. Festlegung der Rassekennzeichen bzw. des Standards

Im Jahr 1879 tratt eine Commission zusammen, mit der Aufgabe die Kennzeichen der Hunderacen fest zu legen.

Damit begann die Festlegung des Rassestandards. Die Teilnehmer der Commission waren, wie der Vorsitzende

der Commission Waldersee schreibt: "...mehr denn 300 Herren, theils Jäger vom Beruf, theils Jagdfreunde".

Der Beginn der Rassehundezucht, für die die Festlegung der Standards unerlässlich war, startete also

mit Männern des gehobenen gesellschaftlichen Standes, die insbesondere die Jagd betrieben.

Mit Festlegung der Rassehundekennzeichen bestand die wichtigste Aufgabe der Rassehundevereine darin,

die Hunde bezüglich ihrer Rassekennzeichen zu begutachten und eine Beurteilung über die vorhandene oder

fehlende Rassereinheit zu treffen und die Züchtung rassekonformer Hunde zu fördern.

Diese Festlegung bedurfte einer anerkannten Entscheidungshoheit, was denn die Rassekennzeichen einer

Hunderasse waren und was zum Ausschluß führte. Der "Verein zur Veredelung der Hunderacen" und später

in größerem Kreis die "Delegirten-Commission" entwickelten sich zur Dachorganisation und zentralen

Oberautorität in dieser Fragestellung zur Fixierung der Rassestandards. Später (1906) spaltete sich das

"Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs für Jagd- und Nutzhunde" durch Betreiben des Barons Albert

de Gingins von der Delegirten-Commission ab und führte einen weiteren Dachverband, der ebenfalls die

Rassestandards definierte, ein.

Die "Delegirten-Commission", später auch das "Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs für Jagd-

und Nutzhunde" und die jetzt entstehenden Spezialklubs definierten eine einheitliche Ordnung der

Rasseeinteilung. Nur mit diese absoluten Autorität, die von "Oben" aufgezwungen wurde, wurde die

Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit der verschiedenen Hundeexemplare festgelegt. Die Feststellung

dieser Zugehörigkeit wurde auf Ausstellungen getroffen. Das Urteil der Richter war unumstößlich und

endgültig.

3. Entstehung und Organisation der Rassehundevereine

Die deutschen Rassehundevereine entstanden Mitte des 19. Jahunderts und erlebten ihren Höhepunkt

in der sogenannten wilhelminischen Zeit 1890-1918. Ein großer Teil der Vereinsmitglieder --insbe-

sondere der Führungskräfte der entstehenden Rassehundvereine-- waren adligen Ursprungs.

Es waren Mitglieder des Hochadels, die die ersten Ideen zur Organisation der Rassehundezucht ent-

wickelten und mit dem oben beschriebenen Selbstverständnis agierten. Viele Führungskräfte der

Rassehundevereine hatten eine militärische Ausbildung.

Die Rassehundezucht war ein wesentlicher Bestandteil der Aufgaben dieser Rassehundevereine. Mit der

Festlegung der Rassekennzeichen, die zentralisiert und damit autoritär nur von der Delegirten-Commission

erfolgen durfte, waren alle Rassehundevereine dem Dachverband hinsichtlich der Entscheidungshoheit

unterworfen. Im Falle von Streitigkeiten oder Protesten hatte die Oberorganisatin Delegirten-Commission

das letzte "richterliche" Wort. Dies galt nicht nur für die Festlegung der Rassekennzeichen sondern

auch für die Reglements für Ausstellungen, Schauen, Preissuchen, Preisschliefen und sonsige Prüfungen.

Die Organisation der Rassehundevereine in der wilhelminischen Zeit war ähnlich der des preußischen

Obrigkeitsstaates angelegt. Dies hatte damit zu tun, dass diese Vereine von (hoch)adligen Männern ge-

führt wurden, die gleichzeitig bedeutende Ämter im Staatssystem inne hatten.

4. Verein zur Veredelung der Hunderacen (später: Verein zur Veredelung

der Hunderassen), Hannover

Im Jahre 1839 wurde als einer der ersten Rassehundevereine der "Hannoverscher Jagdverein" in

Hannover gegründet, der sich insbesondere mit Pointern und Settern, die zu dieser Zeit aus England

geholt wurden, beschäftigte. Dieser Verein wurde dann umbenannt in "Verein zur Einführung englischer

Hunde und zur Kreuzung derselben mit hiesigen Rassen", denn das Maß aller Dinge in Sachen Hundezucht

kam zu dieser Zeit aus England. Zielsetzung des Vereins war es deutsche Rassen auf Basis der eng-

lischen Hunderassen zu "schaffen".

Am 14. April 1878 wurde der Verein dann umgenannt in "Verein zur Veredelung der Hunderassen".

Der Verein führte ein Stammbuch (Deutsches Hunde-Stammbuch) nach englischem Vorbild (Kennel Club),

das für alle anerkannten Rassen offen war.

Der "Verein zur Veredelung der Hunderacen" hatte seinen Sitz in Hannover. Der Zweck des Vereins war

die Erhaltung und Ausbildung der Hunderassen.

In seinen Statuten beschreibt der Verein mit welchen Mitteln dieser Zweck realisiert werden sollte

(Statuten des Vereins 1883):

1. Studium sämtlicher Racen im Allgemeinen

2. Bestimmmung der charakteristischen Kennzeichen nach solchen Exemplaren, welche als mustergültige

Typen der betreffenden Racen anzusehen sind

3. Ausstellung von Hunden unter der Aegide des Vereins

4. Hühnerhundprüfungssuchen nach dem von dem Vereine hierzu aufgestellten Reglement und Pointsbe-

rechnung

5. Prüfung auf Leistung sowohl als auch auf Exterieur von einer hierzu vom Vereine ernannten

Commission

6. Führung und Herausgabe des Deutschen Hunde-Stammbuches, nach dem Reglement des Vereins

7. Austheilung von Diplomen, Medaillen und Geldprämien für hervorragende Leistungen sowohl

auf theoretischem als namentlich auch auf praktischem Gebiete

8 Verbreitung geeigneter Schriften und Abbildungen von Musterhunden, Nachweisung empfhelenswerthen

Zuchtmaterials, sowie endlich Vermittlung des An- und Verkaufs von racereinen Hunden, Erwerb der

besten auf die Zucht Dressur und Veredelung des Hundes bezüglichen Bücher und Zeitschriften

9. Errichtung fester Stationen zur vorübergehenden Unterbringung von Hunden

10. Versammlung der Mitglieder behufs Besprechung von Vereinsinteressen und Discussionen, die

Generalversammlung ist im 1. Quartal des Jahres einzuberufen.

Die Förderung der Jagdhunderassen stand aber im Mittelpunkt dieses Vereins. In der Satzung des

Vereins zur Veredelung der Hunderacen steht:

"Förderung der Reinzüchtung der Hunderassen, insbesondere der zur Jagd brauchbaren"

Berufsjäger waren von der Zahlung des "Eintrittsgeldes" befreit. So schriebh der 1. Präsident

Waldersee 1879: "...daß wir unser besonderes Augenmerk auf Jagdhunde...richten und erst in zweiter Linie alle übrigen

Hunderacen in den Bereich unserer Thätigkeit nehmen."

Der Verein war wie folgt organisiert (Statuten des Vereins 1883):

a. dem Centralverein

b. den Bezirksvereinen

c. den Mitgliedern

a. Centralverein:

Der Centralverein hat die oberste Leitung des Vereins. Er setzt sich zusammen aus dem Präsidenten,

dem General-Sectrtair und 6 Beigeordneten.

Im Jahr 1883 bestand der Centralverein aus:

Präsident: Sr. Excellenz dem Herrn General Quartiermeister der Armee und General à la Suite Sr.

Majestät des Kaisers Alfred Graf von Waldersee.

Alfred Heinrich Karl Ludwig Graf von Waldersee (*8.April 1832 in Potsdam; † 5. März 1904 in Hannover)

war ein preußischer Generalfeldmarschall. Er befehligte überwiegend Militäreinheiten in Hannover, war

von 1888 bis 1891 Chef des Großen Generalstabs und um 1900 Oberbefehlshaber eines multinationalen

Truppenkontingents, das zur Niederschlagung des chinesischen Boxeraufstands nach Peking entsandt

worden war. Waldersee war in seiner Grundhaltung ein konservativer Vertreter der preußisch-wilhel-

minischen Epoche. Er hatte eine ausgesprochen kaisertreue Einstellung.

Waldersee war treibende Kraft bei der Gründung des Vereins zur Veredelung der Hunderacen. Er war

beteiligt an der Kommission zur Führung des Stammbuches.

General-Secretair: Herrn Emil Meyer

Emil Meyer (* 19. April 1841 in Hannover; † 26. März 1899 ebenda) war ein deutscher Bankier und Geheimer

Kommerzienrat. Kommerzialrat, ist ein Ehrentitel, der im Deutschen Reich vor allem bis 1919 an Per-

sönlichkeiten der Wirtschaft verliehen wurde. Die Ehrung erfolgte erst nach erheblichen „Stiftungen für

das Gemeinwohl“. Geboren in der Residenzstadt des seinerzeitigen Königreichs Hannover als Sohn des

jüdischen Bankiers Adolph Meyer, hatte sich Emil Meyer – laut den Hannoverschen Geschichtsblättern

von 1914 – „… um die Pflege der Verwundeten in den Kriegen von 1866 und 1870/71 sowie auch später um

die Förderung gemeinnütziger Bestrebungen große Verdienste“ erworben.

Emil Meyer war er bei der Gründung der Delegierten-Commission als Delegierte benannt und stimmberechtigt

für den Vereinin in der Commission.

1. Beigeordneter: Herrn Landdrost Adolf Lucas von Cranach

Adolf Lucas von Cranach (* 1823 - † 1886) war von 1876-1885 Landdrost der Landdrostei Hannover.

Die Landdrostei Hannover war im 19. Jahrhundert eine Mittelbehörde des Königreichs Hannover und der

preußischen Provinz Hannover. Das Amt ist mit dem eines Regierungspräsidenten vergleichbar.

2. Beigeordneter: Herrn Baron Werner von Alvensleben

Werner Ludwig Alvo Graf von Alvensleben (* 20. Juli 1840 in Neugattersleben; † 19. Februar 1929 in

Neugattersleben) war Großgrundbesitzer des Gutes Neugattersleben, preußischer Kammerherr und Schloss-

hauptmann von Quedlinburg.

Sportlich tat er sich als einer der besten Viererzugfahrer (Pferde) seiner Zeit hervor und gewann als

solcher zahlreiche Preise. Noch im Alter von 73 Jahren beteiligte er sich erfolgreich an einem Turnier

anlässlich des 25-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Wilhelm II. im Berliner Stadion. Der Kaiser

war häufig Gast auf den Jagden in Neugattersleben und 1889 Pate der jüngsten Tochter Wilhelmine.

3. Beigeordneter: Herrn Baron Carl von Alten

Carl Friedrich Franz Victor Graf von Alten (* 1. August 1833 in Hannover; † 24. September 1901 in Gain-

farn) war ein preußischer General der Kavallerie sowie Gouverneur der Festung Ulm.

Ende Juli 1868 ernannte ihn König Wilhelm I. zu seinem Flügeladjutant und beförderte ihn am 22. März 1869

zum Major. Im Hauptquartier des Königs nahm Alten am Deutsch-Französischen Krieg teil und wurde am 8.

September 1870 mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Am 18. Januar 1871 war Alten Zeuge der

Kaiserproklamation in Versailles. Er war Generalmajor und General à la suite des Kaisers und Königs. Unter

Belassung in dieser Stellung ernannte man Alten am 8. März 1887 als Generalleutnant zum Kommandeur der 16.

Division in Trier. Alten war eine bekannte Persönlichkeit der Berliner Gesellschaft und wird von Theodor

Fontane in einigen Romanen erwähnt.

4. Beigeordneter: Herrn Particulier Jul. Heydorn

Jul. Heydorn war ein Particulier. Damit wurde eine wohlhabende Person bezeichnet, die weder angestellt ist,

noch einem Gewerbe nachgeht. Die also gut von dem Eigentum und dessen Erträgen leben kann. Die Bezeichnung

"Particulier" kommt aus dem französischen und bedeutet Privatmann.

5. Beigeordneter: Herrn Hofmarschall Graf von der Schulenburg

Julius Karl Ferdinand Alexander von der Schulenburg (* 2. April 1809 in Priemern; † 16. Dezember 1893 in

Dresden) war preußischer Generalleutnant und Hofmarschall.

Schulenburg trat am 5. März 1826 in das Regiment der Gardes du Corps der Preußischen Armee ein und

avancierte bis März 1843 zum Rittmeister und Chef der 3. Kompanie. Als Major stieg er Mitte Oktober 1854

zum etatsmäßigen Stabsoffizier auf. Am 19. Februar 1857 wurde er zum Regimentskommandeur ernannt. In dieser

Stellung wurde er Anfang April 1857 Oberstleutnant. Mitte Juni 1859 wurde Schulenburg zum Hofmarschall

(oberste Verwaltungsbeamte eines fürstlichen Hofes) des Prinzen Albrecht von Preußen ernannt. Nach dem Tod

von Albrecht von Preußen verlieh Kaiser Wilhelm I. ihm in Anerkennung und als Dank für seine dem Prinzen

geleisteten Dienste am 19. Oktober 1872 den Charakter als Generalleutnant.

6. Beigeordneter: Herrn Major von Kotze

Hans Hermann Ludwig von Kotze (* 14. Juli 1851 in Brandenburg an der Havel; † 30. April 1925 in Blankenburg/

Harz) war ein deutscher Offizier. Er war preußischer Generalleutnant.

Die Aemter sind Ehrenämter und auf 2 Jahre ausgelegt; Wiederwahl möglich.

Aufgaben des Vorstands des Centralvereins:

-Überwachung und Leitung der unter "Mittel des Vereins" genannten Punkte 1. bis 10.

-Einberufung der Generalversammlung

-Vertretung des Vereins in allen Angelegenheiten

-Ernennung der Commissionen

-Leitung der Discussionen in Versammlungen

-Verwaltung des Vereinsvermögens

-Aufnahme von Neumitgliedern

-Vorschlag von Ehrenmitgliedern; die in der Genralversammlung bestätigt werden müssen

-Ausschluss von Mitgliedern

b. Bezirksverein

Bezirksvereine können ab einer Anzahl von 50 Mitgliedern gegründet werden. Sie stellen einen stimm-

berechtigten Delegierten ab je 25 Mitglieder des Bezirksvereins, der die Mitglieder des Bezirks-

vereins vertritt. Der Bezirksverein kann sich eigenständig organisieren; darf aber nicht den Zwecken

des Centralvereins nach den gegenwärtigen Statuten entgegentreten.

Im Jahr 1883 gab es einen Bezirksverein Cöln; Vorsitzender Herr Rechtsanwalt Dr. Carl Mayer und einen

einen Bezirksverein Aachen; Vorsitzender Herr Gustav Piedboeuf

c. Mitglieder

Mitglieder haben folgende Rechte:

-Stellung von Anträgen (mündlich oder schriftlich) in Versammlungen

-Stellung von Anträgen zur Abänderung der Statuten müssen 4 Wochen vor der Versammlung beim

Centralvorstand eingereicht werden und von mindestens 10 Mitgliedern unterstützt werden

Der jährliche Beitrag beträgt 1883 5 Mark. Im Jahr 1909 hatte der Verein 152 Mitglieder und im Jahr

1912 275 Mitglieder

Der Verein stand in ganz Deutschland allen Besitzern/Züchtern von reinrassigen Hunden offen. Erwünscht

war allerdings nur die Beteiligung weniger adliger oder gesellschaftlich hochstehender Mitglieder. Es

sollte eine sehr elitäre Angelegenheit bleiben. Mitglieder waren Adlige aus dem Umfeld des Hohenzoller-

staates, Großgrundbesitzer, Ofizierskorps und die höhere Zivilbürokratie.

Vereinsorgan:

Das offizielle Vereinsorgan ist die wöchentlich erscheinende Zeitschrift "Der Hund"; Verlag Paul

Wolf in Leipzig.

Der Verein ist als Mitglied der "Delegirten-Commission" Herausgeber des "Deutschen Hunde-Stamm-Buches",

welches 1883 im Verlag August Grimpe, Hannover erscheint. Das Stammbuch von 1883 enthält nicht nur die

Abstammung der eingetragenen Hunde, sondern auch die Statuten des Vereins, Reglement für Ausstellungen,

Reglement für Hühnerhund-Prüfungs-Suchen, Points-Berechnungen, Revisison einiger Racezeichen und Fest-

stellungen neu aufgenommener Racen und in Deutschland abgehaltene Ausstellungen inkl. Beurteilung.

Racekennzeichen:

Die Racekennzeichen werden ausgiebig im Deutschen-Hunde-Stammbuch erläutert und beschrieben. Ver-

änderungen werden dokumentiert. Auf der ersteren größeren Hundeausstellung (Frankfurt, 1878) wurde be-

schlossen, dass im Jahr darauf bei der Ausstellung vom "Verein zur Veredelung der Hunderassen", die

Rassekennzeichen aller "deutschen" Hunde festzustellen seien. Der deutsche, kurzhaarige Pinscher wird

1883 z.B. unter römisch XVI. der Racekennzeichen geführt.

Delegirten-Commission

Der "Verein zur Veredelung der Hunderacen" gründete 1879 mit vier weiteren Vereinen (Verein Hector,

Klub zur Prüfung der Hühnerhunde, Norddeutscher Hetzklub und Verein Nimrod) die "Delegirten-Commission",

der sich später weitere Rassehundevereine anschlossen.

Ausstellungen

Der Verein zur Veredelung der Hunderacen organisierte auch die ersten Rassehunde-Ausstellungen in Deutsch-

land, z.B.:

Erste Internationale Ausstellung von Hunden aller Racen vom 23.-25. Mai 1879 in Hannover (Flora-Garten

Bella Vista) mit 888 ausgestellten Hunden

Zweite Internationale Ausstellung von Hunden aller Racen vom 18.-22. Mai 1882 in Hannover

Ausstellung von Hunden aller Rassen vom 08.-10. Juni 1889 in Cassel

5. Verein Hektor (auch "Hector"), Berlin

Entstehung und Gründung

Am 1. Mai 1876 veröffentlichte R. von Schmiedeberg in der Zeitschrift "Der Hund (gegründet am 1. April 1876)"

einen Aufruf zur Gründung eines "Deutschen Vereins zur Beförderung der Zucht reiner Rassen". Der Sekretär

des Berliner Zoologischen Gartens Wagenführ übernahm diesen Aufruf mit den Worten:

"Wir stehen London und Paris nicht nach in Spezialvereinen zur Sammlung, erforschung, Züchtung oder Ver-

edelung der verschiedenen Tierspezies. Wir besitzen Vereine für Konchylien, Schmetterlinge, Geflügel- und

Sportsvereine für alle Tierklassen, nur das verständigste, treuste, anhänglichste, vielfach das unentbehr-

lichste Haustier, der Hund, wurde bisher in dieser Beziehung völlig vernachlässigt."

Mehr als 110 Personen meldeten sich als Unterstützer eines geplanten Vereins bei Wagenführ. Es waren z.T.

bekannte damalige Persönlichkeiten, wie z.B. Dr. Bodinus (Direktor des Berliner Zoos), Dr. Gustav Nachtigall

(Afrikaforscher), Dr. Hartmann (Präsident der geographischen Gesellschaft), R. von Schmiedeberg (Redakteur

der Zeitschrift "Der Hund"), Baron von Nolde, L. Kastan (Gründer des Panoptikums), Professor Sperling (Maler),

Geh. Kommerzienrat Spindler und Kranzler (Hofkonditor).

Am 25. Oktober 1876 fand die erste konstituierende Sitzung statt und am 25. November 1876 wurde der erste

Vorstand gewählt:

1. Präsident: Dr. Heinrich Karl August Bodinus

Heinrich Karl August Bodinus(*29. Juli 1814 in Drewelow; † 23. November 1884 in Berlin) war ein deutscher

Arzt und Zoologe. Er begründete den Kölner Zoo und war ab 1869 Direktor des Zoologischen Gartens in Berlin.

Durch Ausgabe neuer Aktien beschaffte er frisches Kapital für den Berliner Zoo, um ein modernes Konzept zu

verfolgen: Weitere Tierarten zu zeigen, Musikpavillons, Terrassen und ein Restaurant fürs Amüsement zu

schaffen und neue, exotisch anmutende Häuser zu errichten. Besucherzahlen und Einnahmen stiegen spürbar.

Der Zoo Berlin entwickelte sich nun auch zu einem Ort für die feine Berliner Gesellschaft.

2. Präsident: Professor Dr. Hermann von Nathusius

Professor Dr. Hermann von Nathusius (* 9. Dezember 1809; † 29. Juni 1879) war Geheime Oberregierungsrat im

Landwirtschaftsministerium und übernahm das Lehramt für Tierzucht in Berlin. Er war Landwirt, Tierzüchter,

Hochschullehrer und Regierungsbeamter.

1. Schriftführer: H. Wagenführ

Wagenführ war Sekretär des Berliner Zoologischen Gartens.

2. Schriftführer

Schirmer

Schirmer war Geheimer Registrator. Ein Registrator einer Hofkanzlei hatte die Aufgabe, alle ausgehenden

Dokumente zu prüfen und zu registrieren.

1. Schatzmeister

Beckmann

Beckmann war Kaufmann.

2. Schatzmeister

Schotte

Schotte war Fabrikbesitzer

1. Bibliothekar

Adolf Emil Alexander Radetzki

Radetzki war Buchdruckereibesitzer und Hofbuchhändler. Er war an der Festlegung der Rassekennzeichen

(Standards) maßgeblich beteiligt und veröffentlichte diese 1880 in seiner Druckerei/Verlag "Beuckert &

Radetzki". Weitere Veröffentlichungen des Vereins Hektor wurden in dieser Verlagsdruckerei erstellt.

Später wurde Radetzki der 1. Präsident des Vereins Hektor.

2. Bibliothekar

Koppe

Koppe war Kaufmann

Die ersten Treffen fanden in Räumen des Zoologischen Gartens statt. Das Protektorat des Vereins übernahm

Prinz Karl von Preußen und als Gönner-Mitglieder wurden Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels und der Oberst-

Jägermeister Fürst von Pleß gewonnen.

Der Verein Hector sollte sämtliche Gebiete der Thematik Rassehunde wahrnehmen, insbesondere Hundezucht

und Ausstellungswesen. In seiner ersten Sitzung beschäftigte man sich mit der Frage des "Coupierens" und

der Verbesserung des Hundetransports per Eisenbahn.

Die erste Ausstellung vom Verein Hector organisierte Ausstellung mit 127 Hunden fand vom 8.-12. Mai 1878

in den Räumen des Hohenzollerparks statt. Auf der 5. Ausstellung vom 18.-22. Mai 1888 im "Tivoli" nahmen

nahmen schon 782 Hunde teil. Es fanden noch 1890 in der "Flora" und 1892 im "Hippodrom" statt. Die letzte

Ausstellung von 1896 war jedoch ein finanzielles Fiasko und das Ausstellungswesen wurde eingestellt.

Erst mit der Vereinigung von Hector mit dem Verein "Gesellschaft der Hundefreunde, Berlin" im Sommer 1901

wurden Anfang des 20. Jahrhunderts wieder Ausstellungen organisiert. Die erste Ausstellung der beiden

fusionierten Vereine fand schon 1901 statt im Sportpark Friedenau. Von 1902 bis 1908 fanden weitere

Ausstellungen des Vereins Hektor statt. Höhepunkt war eien Ausstellung im Februar 1908 in den Ausstellungs-

hallen des Zoologischen Gartens mit 1.400 ausgestellten Hunden. Danach nahm jedoch die Teilnahme an der-

artigen Ausstellungen des Vereins Hektor ab, da inzwischen die auf bestimmte Rassen konzentrierte Spezial-

klubs ihre eigenen Ausstellungen organisierten.

Mitgliedskarte des Vereins "Hektor"

Mit dem Aufkommen der Spezialklubs nahm die Bedeutung des Vereins Hektors ab. Hektor war ein reiner Aus-

stellungsverein geworden, dem die Spezialklubs das "Wasser abgruben". Streitigkeiten in den Führungsebenen

des Vereins und der 1. Weltkrieg führten fast zum Untergang des Vereins.

Doch der Verein Hektor rappelte sich unter neuer Führung wieder auf und wurde neu aufgestellt, beschäftigte

sich neben den Ausstellungen auch wieder verstärkt mit dem Hundesport (insbesondere in Berlin)und organisierte

zu seinem 50jährigen Bestehen zusammen mit dem Deutschen Kartell für Hundewesen eine Jubiläumsausstellung

(19.-20. Juni 1926) in Berlin am Kaiserdamm mit über 1.500 Hunden.

6. Delegierten-Commission

Aufgrund erster Differenzen zwischen den deutschen Rassehundevereine bezüglich der Zuständigkeiten und

insbesonder hinsichtlich der Definition der Rassekennzeichen (Standards) und Führung eines gesamtdeutschen

Hunde-Stammbuches kamen die Vereine zusammen unter der Vermittlung vom Grafen Waldersee, Prinzen Solms,

von Schmiedeberg und Ludwig Beckmann. Man beschloss die Gründung einer gemeinsamen Commission, die sich aus

den Delegierten der deutschen Rassehundvereine zusammensetzte. Hauptzweck der Delegierten-Commission war die

Anlage und Führung des Deutschen Hundestammbuches und gab im Jahre 1880 das erste Deutsche Hunde-Stammbuch

(D.H.St.B.) für alle Rassen heraus.

Am 26. April 1880 wurde die Delegierten-Commission gegründet von den Rssehundevereinen "Verein zur Ver-

edelung der Hunderassen in Hannover", "Verein Hector in Berlin", "Club zur Prüfung für Hühnerhunde in

Stassfurt", "Verein "Nimrod" in Oppeln" und dem "Norddeutschen Hetzclub".

Aus dem Vorwort des 1. Stammbuches von 1880 und Protokoll der Gründungsversammlung:

"Der Wunsch, ein übersichtliches Buch zu besitzen, in dem man ohne Mühe die Namen wirklich edeler, sich

in Deutschland befindender Hunde, nebst Namen und Adresse, der Besitzer, in sachgemässer Weise verzeichnet

und geordnet findet, ist schon vielfach ausgesprochen worden. Bis jetzt aber wurde in Bezug hierauf noch

weiter nichts veröffentlicht weder von Vereinen noch Privatpersonen als einzelne Notizen, die der Anlage

später herauszugebender Bücher zur Grundlage dienen sollten. Zum ersten Mal wurden solche Notizen am 15.

December 1878 vom ehemaligen Verein zur Veredelung der Hunderacen in Hannover und darauf am 15. März 1879

vom Verein " Hector" im Vereinsorgan "Der Hund" zu weiterer Kenntniss gebracht. Da aber vielen Züchtern

nicht gedient ist, wenn sie mehrere Stammbücher sich anschaffen und studieren müssen, so fanden bald Ver-

handlungen zwischen den bestehenden Vereinen über die Errichtung eines gemeinsamen Stammbaumbuches mit

dem Titel Deutsches Hunde-Stamm-Buch statt, und führten dieselben endlich durch den Beschluss einer Dele-

gierten -Versammlung, die am 26. April 1880 zu Hannover abgehalten wurde, zu einem befriedigenden Ergebnis,

über welches das hier folgende Protokoll das Nähere besagt:

Nachdem von den nachbenannten Vereinen Verein zur Veredelung der Hunderacen für Deutschland, Verein

"Hector" - Berlin, Club zur Prüfung für Hühnerhunde - Stassfurt, Norddeutscher Hetzclub, Verein "Nimrod"

- Oppeln eine Vereinbarung dahin getroffen war, dass die über Errichtung eines Allgemeinen Deutschen Hunde-

Stamm- Buches angeregte Frage in einer bei Gelegenheit der, von dem Verein zur Veredelung der Hunderacen

für Deutschland in Hannover veranstalteten Internationalen Preissuche abzuhaltenden Conferenz, welche von

den Vereinen durch Bevollmächtigte zu beschicken sei, endgültig geregelt werden solle, waren behufs Ab-

haltung dieser Conferenz am 26. April dieses Jahres in Kasten´s Hotel zu Hannover erschienen:

-Herr General Graf von Waldersee, Herr Emil Meyer (für den Verein zur Veredelung der Hunderacen für Deut-

schland),

-Herr A. Radezki, Herr Fr. Behrens (für den Verein "Hector" in Berlin),

-Herr Baron W. von Alvensleben (für den Norddeutschen Hetzclub ),

-Herr Rechtsanwalt Dr. Hagemann (für den Hühnerhund-Prüfungsclub),

wogegen der Verein "Nimrod" - Oppeln, obgleich die Anregung der zu erledigenden Frage von ihm mit ausge-

gangen war, leider unvertreten geblieben war."

Darüber hinaus wurden auch die Rassekennzeichen der deutsche Hunderassen festgesetzt, erst Jagdhunde,

später Luxushunde (Rassehunde ohne spezifische Gebrauchseigenschaften).

Es zeigte sich schon bei der Gründung, dass es Differenzen zwischen den beteiligten Vereinen gab, die sich

nach Gründung fortsetzten. So gab es zwar ein Zuchtbuch, welches von den beteiligten Delegierten der

Vereine verantwortet wurde. Operativ geführt wurde es aber vom Verein zur Veredelung der Hunderassen in

Hannover, der sich nicht immer an die vereinbarten Richtlinien hielt und seinen Schwerpunkt auf die

Jagdhunde und weniger auf die Nicht-Jagdhunde (als Luxushunde bezeichnet) legte. So war die Zulassung

der "Luxushunde " z.T. mit Schwierigkeiten verbunden. Diese Priorisierung gefiel einigen der anderen

Vereinen nicht. Die Zucht der Hunderassen war inzwischen auf breitere Grundlage gestellt worden und

nicht mehr nur in den Händen der Adligen und Jäger, die die Rassehundezucht begründeten.

Unabhängige spezialisierte Rassehundevereine waren entstanden, die ihre eigenen Zuchtbücher herausbrachten.

Der allgemeine Aufschwung des Hundewesens in Deutschland wurde von Geschäftemachern ausgenutzt und führte

zu unhaltbaren Zuständen im Ausstellungswesen und den Hoheiten über die Rassestandards, ohne dass die Dele-

gierten-Commission eingriff. Die Rassehundevereine schossen aus dem Boden und für eine Hunderasse gab es

mehrere Vereine. Diese Vereine wollten sich einer zentralistisch geführten Delegierten-Commission nicht

unterordnen. Das Deutsche Hundestammbuch verlor seine Bedeutung und damit auch die Delegierten-Commission.

Erst duch die Gründung des Deutschen Kartells für Hundewesen, der jeweils nur einen Verein pro Rasse an-

erkannte und den Vereinen eigene Zuchtbücher und Führungs- und Organisationsfreiheiten ließen, wurde

diese Entwicklung unter diesem neuem Dachverband des Kartells wieder geordnet. Es bestanden nun mit der Dele-

gierten-Commission und dem Deutschen Kartells für Hundewesen zwei deutsche Dachverbände nebeneinander.

Rassehundevereine, die sich diesen Dachorganisationen nicht angeschlossen hatten, hatten keine Überlebens-

chance.

Die Delegierten-Commission war neben dem Deutschen Kartell für Hundewesen (DKH) Gründungsmitglied der

Fédération Cynologique Internationale (FCI) von 1911.

Aus dem Deutschen Kartell für Hundewesen, der Delegierten-Commission und dem Verband von Vereinen zur

Prüfung von Gebrauchshunden zur Jagd (JGV, später JGHV) wurde am 1. Oktober 1933 der Reichsverband für das

Deutsche Hundewesen (RDH) gegründet. Die Dachgesellschaften des Hundewesens Deutsches Kartell für Hundewesen,

Delegierten-Commission und dem Verband von Vereinen zur Prüfung von Gebrauchshunden zur Jagd lösten sich

im Rahmen der Gleichschaltung der deutschen Vereine durch die Nationalsozialisten am 31. Dezember 1933 auf.

Verfügung des "Geheimen Staatspolizeiamts" Berlin SW 11, Prinz-Albert-Str. 8 vom 20. Juni 1935:

"Auf Grund des § 1 der Verordnung des Reichpräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933

(RGBl. 1 G.83) in Verbindung mit §§ 14 und 41 des Polizeiverwaltungsgesetztes wird die Delegierten-Commission

für Deutsche Hundezucht (DC) aufgelöst und verboten. Das kynologische Aktenmaterial und das Vermögen der DC

wird vorbehaltlich einer späteren Einziehung beschlagnahmt und sicher gestellt. Zuwiderhandlungen gegen dieses

Verbot werden auf Grund des § 4 der BD. des Reichspräsidenten vom 28.Februar 1933 bestraft."

7. Deutsche Kartell für Hundewesen (DKH)

Entstehung und Gründung

Jübiläumsschrift anlässlich des 25 jährigen Bestehens des DKH

Das Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs für Jagd- und Nutzhunde (kurz: Das Kartell) war ein Dach-

verband von Spezialklubs für Jagd- und Nutzhunde. Es wurde am 16. Juli 1906 in Frankfurt am Main gegründet.

Die Initiative dazu hatten Ernst von Otto und Albert de Gingins ergriffen. An der Gründung nahmen teil: der

1893 gegründete Griffon-Klub (Club von Albert de Gingins), der 1896 gegründete Barsoi-Klub (Club von Ernst

von Otto), der Teckelklub (1888 gegründet), der 1902 gegründete Setter-Klub, der 1889 gegründete Fox-

terrier-Klub, der 1890 gegründete Kurzhaar-Klub, der Verein für Deutsche Schäferhunde (gegründet 1899) und

der 1899 gegründete Drahthaar-Terrier-Klub.

In Hannover findet am 26. Mai 1907 der 1. Kartelltag statt und beschließt eine Ausstellungsordnung.

Im Jahr 1908 änderte das Kartell seinen Namen in "Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs". 1914 wird

eine erneute Namensänderung beschlossen. Das Kartell hieß dann "Kartell der Rassezuchtvereine und all-

gemeinen Verbände", ab 1925 "Deutsches Kartell für Hundewesen (DKH)".

Zu Beginn des Vereins gab es keine Führungsstruktur mit einem Präsidenten etc. sondern einen auf dem

Kartelltag im Jahr 1908 eingerichteten Dreierausschuss, der auch nur zur Erledigung dringender Angelegen-

heiten, die nicht auf die nächste Kartellsitzung warten konnten, befugt war. Alle drei Mitglieder des

Ausschusses mussten übereinstimmend entscheiden. Die erste Arbeit des Ausschusses war die Neubearbeitung

der Satzung des Kartells und wurde auf dem Kartelltag in Berlin im Jahre 1911 verabschiedet.

In diesem Dreierausschuss waren Baron von Gingins, Ludwig Ferdinand Diefenbach und Ernst von Otto ver-

treten. Diese Drei waren in der Anfangszeit die wichtigsten Vertreter und Treiber zur Gründung des

Kartells:

Baron Louis Henri Albert de Gingins et d’Eclépens, kurz: Baron von Gingins, geb. 26. Juli 1859, gest. 05.

August 1911 war 1 Vorsitzende des Griffons-Clubs und 1. Vorsitzende des Kartells, nachdem auch das Kartell

eine hierarchische Führungsstruktur bekam.

Baron Louis Henri Albert de Gingins et d’Eclépens

1890 lernte er in Biebesheim Eduard Korthals kennen, den Erstzüchter des Griffon Korthals. Er trat dem

deutschen Griffon-Club bei, wo er sich für ein zentral geführtes Zuchtbuch einsetzte, und setzte nach

Korthals’ Tod 1896 dessen Zuchtbemühungen fort. Seine Hunde wurden vielfach preisgekrönt.

Von 1894 bis 1900 besaß der Baron das Hofgut Hohenwald und betrieb dort ein Sozialwerk und eine Hundezucht.

Während das soziale Werk und die Zeit des Barons in Oberhöchstadt weitgehend in Vergessenheit geraten sind,

trifft das auf seine Errungenschaften im Hundewesen nicht zu. Dem Griffonklub, dessen Vorsitzender er war

und dem er testamentarisch eine Schenkung von 60 000 Goldmark vermachte, ehrte ihn nach seinem Tod mit

einer Gedächtnismünze für besondere Zuchtleistungen.

Ludwig Ferdinand Diefenbach

Ludwig Ferdinand Diefenbach, geb. 05. März 1865, gest. 10. September 1932 galt als bedeutender Kynologe. Er

leitete 25 Jahre als 1. Vorsitzender den Klub für rauhaarige Terrier. Über diese Hunderasse verfasste er

ein Fachbuch "Der rauhaarige Terrier und seine Erziehung". Er förderte aber auch die anderen Terrier-Rassen,

wie z.B. Airedale- und Schottische Terrier, die er auch selber züchtete. Für die Terrier-Rassen war Diefen-

bach anerkannter Richter im In- und Ausland. Er war, nachdem auch das Kartell eine hierarchische Führungs-

struktur bekam, bis zu seinem Tod 2. Vorsitzender des Kartells.

Ernst von Otto, geb. 26. Juli 1861 war Jurist, studierte später Naturwissenschaften und lebte in Bensheim/

Hessen. Er war Mitbegünder der ersten kynologischen Zeitschrift "Hundesport und Jagd", die er von 1885 bis

1914 herausgab.

Otto organisierte die Hundestammbücher für die Spezialklubs Kurzhaar, Teckel und Bernhardiner.

Er war Autor einiger Bücher u.a. "Jedermanns Hundebuch" und "Der Kriegshund, dessen Dressur und Verwendung".

Otto war Richter auf Nationalen und Internationalen Ausstellungen und züchtete die Rasse Barsoi.

1912 schied von Otto als 3. Vorsitzender des Kartells auf eigenem Wunsch aus dem Kartellvorstand aus und

wurde von J. Mattern ersetzt.

Dr. Kurt Roesebeck

Nach dem Tod von Baron von Gingins 1911 wurde von Dr. Roesebeck als neuer 1 Vorsitzender gewählt.

Dr. Kurt Roesebeck, geb. 22. Februar 1871, gest. am 02. Februar 1947 war Sanitätsrat. Er war der erste

Ärztliche Direktor und Leiter der Chirurgischen Abteilung des Krankenhauses "Siloah" (heutiges Lehr-

krankenhaus der medizinischen Hoschschule) in Hannover.

Von 1911 bis 1933 war er 1. Vorsitzender des Kartells.

Roesebeck musste mit Auflösung des Kartells unter den Nationalsozialisten 1933 als 1. Vorsitzender des Kartells

abtreten und war als Berater für von Hans Glockner, dem Vorsitzenden des neuen zentralen Reichsverband für das

Deutsche Hundewesen (RDH), tätig. Während der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die das Kartell auflösten,

war er Verbandsführer des RDH, Preisrichter, Reichsobmann der Fachschaft deutscher Schäferhunde (1935 bis 1945)

und Schriftleiter der Zeitung der Fachschaft für deutsche Schäferhunde.

Er veröffentlichte das Buch "Ueber Begutachtung von Hunden" und "Der Deutsche Schäferund", 1938.

Jübiläumsschrift anlässlich des 20 jährigen Bestehens des DKH

Aus dem Kartell-Ausschuss wurde dann der Kartell-Vorstand. Der Vorstand hatte aber keine Entscheidungs-

hoheit, denn diese sollte weiterhin nur auf den Kartelltagen von den Mitgliedern der Spezialklubs wahr-

genommen werden. Der Kartellvorstand war damit Ausführungsorgan des Kartelltages und hatte dafür zu sorgen,

dass die Beschlüsse des Kartelltages in die Praxis umgesetzt wurden.

1922 wurde der Kartellvorstand von 3 auf 5 Mitglieder vergrößert und setzte sich aus Dr. Kurt Roesebeck,

Ludwig Ferdinand Diefenbach, J. Mattern, Franz Bazille und Max Näther zusammen.

J. Mattern

J. Mattern, Neustadt/Hardt, verst. 1929, war ab 1912 der 3. Vorsitzender des Kartells.

Franz Bazille

Franz Bazille, Oberpostinspektor war von 1922-1933 Geschäftsstellenleiter des Kartells. Mit der Macht-

übernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933, wurden die Vereine gleichgeschaltet und das Kartell auf-

gelöst. Während der Kartell-Zeit schloß bazille mit 25 ausländischen kynologischen Gesellschaften Gegen-

seitigkeitsverträge ab. Die letzten 6 Jahresaustellungen vor 1933 wurden von ihm geleitet. Nach 1933

wurde er Reichsausstellungswart und Auslandsbeauftragter im Reichsverband für das Deutsche Hundewesen

(RDH). Er war Hundesportgauführer des Gaues Südwest (eine leitende Funktion in einer Art Landesverband)

und Reichsobmann der Fachschaft "Pudel" (die eigenständigen Rassevereine wurden bei der Zentralisierung

und Gleichschaltung unter den Nationalsozialisten zu Fachschaften; eine Art Abteilung des RDH).

In der kynologischen Literatur hatte sein Buch "Die Kennzeichen unserer Rassehunde" Bedeutung.

Max Näther, Untermenzing bei München

Max Näther, Untermenzing bei München (* 1867 - † 1938) wurde 1921 1. Vorsitzender des St. Bernhardsklubs.

Er war schon 1902 als Schriftführer und 1903 als Redakteur des Spezial-Hundestammbuch "Bernhardiner" im

St.Bernhardsklub aktiv.

1922 trat er dem Vorstand des Kartells bei.

Nach Auflösung der Spezialklubs im Jahr 1933 und Integration als Fachschaft im zentralen Reichsverband für

Hundewesen (RDH) übernahm Max Näther das Amt als Reichsobmann der Fachschaft Bernhardiner.

Max Näther war von 1927-1930 Bürgermeister von Untermenzingen und versuchte die Eingemeindung von Unter-

menzingen in die Stadt München zu verhindern. München-Untermenzingen ist heute ein Stadteil von München.

Eine Straße in München-Untermenzingen wurde nach Max Näther benannt.

Das Kartell nahm stetig an Mitgliedern bzw. beitretenden Rassehundevereinen zu. Zum Kartelltag in Frankfurt

am 6. Juni 1909 hatte das Kartell schon 12.000 Mitglieder und 16 stammbuchführende Spezialklubs als Mit-

glieder. 1925 gehörten dem Kartell 25 Rassezuchtvereine und 8 Landesverbände an, die zusammen 87.049 Mit-

glieder hatten.

Kartellausstellung 1926 in Berlin

Statt eines zentralen Zuchtbuches führte jeder Spezialklub sein eigenes Zuchtbuch, entschied eigenständig,

wie die Hunderasse "gestaltet" wurde und war auch in Führung und Organisation sehr selbständig. Nur die

Hunde in diesen angeschlossenen Spezialvereinen wurden anerkannt und konnten auf den Ausstellungen oder

Hundesportveranstaltungen auftreten.

Beim Kartell sollte sich um eine Gemeinschaft von gleichgestellten Vereinen handeln. Beschlüsse sollten ein-

stimmig gefasst werden. Beschlüsse binden dann aber auch alle Kartellmitglieder. Es wurde eine Geschäftsstelle

eingerichtet, deren Tätigkeiten der Griffonklub des Barons von Gingins operativ übernahm. Der Leiter der Ge-

schäftsstelle R. Winkler übernahm diese Aufgabe bis zum Kartelltag im Jahr 1922 und wurde dann von Fr.

Bazille abgelöst.

Vorstand im Jahr 1931; von links nach rechts: L.F. Diefenbach II. Vors., H. Glockner III. Vors.,

Dr. Roesebeck I. Vors., O.Lisch Iv. Vors. u. Fr. Bazille Geschäftsf. Vors.

Es wurde auch immer nur ein Verein für eine Hunderasse anerkannt. Neuaufnahmen von Rassehunde-

vereinen konnten nur mit Zustimmung aller im Kartell vertretenden Vereinen vorgenommen werden. Rassehunde-

vereine, die kein eigenes Zuchtbuch führten wurden im Kartellzuchtbuch aufgenommen.

Das Kartell lebte in Koexistenz zur Delegierten-Commission. Es gab zahlreiche Bemühungen und Treffen des

Kartells mit der Delegierten-Commission um einen gemeinsamen Auftritt oder Zusammenschluß zu organisieren,

die aber alle im Sande verlaufen sind. Die beiden Dachorganisationen erkannten sich gegenseitig an und

hoben diese Anerkennung auch wieder auf. Dies wirkte sich insbesondere im Ausstellungswesen aus.

Das Deutsche Kartell für Hundewesen war neben der Delegierten-Commission Gründungsmitglied der Fédération

Cynologique Internationale (FCI) von 1911.

Trotz des 1. Weltkrieges und der Inflationszeit und wirtschaftlichen Krisen der 20er Jahre behauptete

sich die Organisation des Kartells und überwand auch diese schwierigen Zeiten und hatte bald nach dem

Weltkrieg wieder die Größe, Anzahl an Ausstellungen und Hundesportaktivitäten wie vor dem Krieg.

Aus dem Deutschen Kartell für Hundewesen, der Delegierten-Commission und dem Verband von Vereinen zur

Prüfung von Gebrauchshunden zur Jagd (JGV, später JGHV) wurde am 1. Oktober 1933 der Reichsverband für

das Deutsche Hundewesen (RDH) gegründet. Die Dachgesellschaften des Hundewesens Deutsches Kartell für

Hundewesen, Delegierten-Commission und dem Verband von Vereinen zur Prüfung von Gebrauchshunden zur

Jagd lösten sich im Rahmen der Gleichschaltung der deutschen Vereine durch die Nationalsozialisten am

31. Dezember 1933 auf.

Nach dem 2. Weltkrieg entstand in Deutschland eine neue Dachorganisation am 11. Juni 1949 mit dem Verband

für das Deutsche Hundewesen e.V. (VDH), der sich als Nachfolgeorganisation des Deutsche Kartell für Hunde-

wesen (DKH) sieht. Dem "neue" Dachverband gehörten 31 Rassehundezuchtvereine, ein Gebrauchshundeverein

und zehn Landesverbände an. Heute hat der VDH 176 Mitgliedsvereine mit insgesamt 650.000 Mitgliedern.



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