Auf dieser Seite wollen wir Ihnen etwas über die spannende Geschichte des Deutschen Pinschers erzählen:
Hier geht es zur Navigation durch diese Webside:
Anfänge, oder die lange (Bilder)suche nach dem Deutschen Pinscher
Viel wurde geschrieben über die vorgeschichtliche Zeit des Pinschers.
Der Schädel des Torfspitzhundes wurde mit Schädeln von Hunden aus der
Neuzeit verglichen. Es wurden auffällige Ähnlichkeiten auch mit Pinschern,
Schnauzern und Terriern festgestellt. Das wir es jetzt mit einem Urahnen
des Deutschen Pinscher zu tun haben, stimmt wahrscheinlich, aber trifft
dann auf fast alle mittelgroßen Hunderassen im mitteleuropäischen Raum zu.
Nur soviel noch an dieser Stelle als Zitat von Räber:
"Die vielen Rassenfanatikern lieb gewordene Ansicht von der über Jahrtausende
hinreichenden Geschichte--ihrer Rasse-- ist unhaltbar. Die Geschichte einer
Rasse geht soweit zurück, als über sie sichere Dokumente vorliegen, und das
heißt für die Schnauzer und Pinscher nicht weiter zurück als bis ins letzte
Viertel des 19. Jahrhunderts."
Daher beenden wir hier diese nette Geschichte des Torfhundes (lebte um ca.
15.000 - 5.000 v.Chr.) und seines Herrchens, dem Pfahlbaumenschen, und
springen einige tausend Jahre weiter.
Wer mehr über den Torfhund wissen möchte, muss hier weiter lesen: Der Torfhund
Wir machen auf unserer Zeitreise einen großen Sprung und gehen auf Bildersuche.
Auf dem Bild "Die Dornenkrönung" von Lucas Cranach (1472-1553) hat
ihn Richard Strebel entdeckt (1905):
Mit viel Phantasie werden auch Sie Ähnlichkeiten identifizieren, oder ?
Richard Strebel wurde aber auch beim Maler Carle Vernets (1758-1835) fündig:
In dem Bild "Le Retour du Chasseur" sind die Ähnlichkeiten zum Deutschen Pinscher
(unten rechts im Bild) doch schon deutlicher. Verlassen wir nun aber auch diese
mühsame Suche des Richard Strebel
mit seinen Worten:
"Ich habe unzählige Galerien von Amsterdam bis Petersburg nach ihm --Anm.:dem
Pinscher-- abgesucht und nur hier in München auf einem Bilde von J. Breughel d.Ält.
1568-1625 auf der Kreuzigung Christi einen krummbeinigen gefunden...."
Die beiden Pinscher, v. J. Adam Klein, 1812, Quelle: Räber
Im 17. und 18. Jahrhundert finden sich keine weiteren Hinweise auf den Pinscher.
Dies liegt insbesondere daran, dass das Hauptinteresse dem Jagdhund galt, während
der typische Hof- und Stallhund des Bauern in der Literatur keine Beachtung fand.
Bergmiller liefert 1922 eine ähnliche Erklärung:
"In bildlichen und schriftlichen Hinterlassenschaften früherer Zeiten ist dieser
ehedem mißachtete Hund fast gar nicht vertreten. Seine eigentliche Zucht ist auch
kaum vierzig Jahre alt, d.h. so alt wie der Hundesport selbst, der erst vor etwa
40 Jahren zielbewußt einsetzte und sich nicht das geringste Verdienst dadurch erwarb,
daß er sich gerade der im Aussterben begriffenen oder der wenig beachteten Rassen
mit besonderer Liebe annahm."
Ahnenforschung, oder wo kommt der Deutsche Pinscher denn jetzt her ?
Zahlreiche Kynologen haben sich im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit der
Frage nach der Herkunft des Pinschers beschäftigt. Die Frage der Herkunft bezieht
sich auf die Hunderassen aus denen der Pinscher entstanden sein soll und nach der
geografischen Lage der Hauptzuchtgebiete. Bei der Beschreibung wird oft ausführlich
das Wesen des Deutschen Pinschers behandelt.
Zuerst fündig wird man bei H.G. Reichenbach in seinem Werk "Der Hund in seinen
Haupt- und Nebenrassen" aus dem Jahr 1836:
Glatthaarpinscher nach Reichenbach
"Schlanker und in allen Teilen proportionierter gebaut, mit schmalem, an
der Basis aufrechtem Behang. Urfarbe, oder ganz schwarz. Ursprünglich
Bastard von Mops und Dachshund, oder vielleicht wahrscheinlicher vom kleinern
Windhund und Dächsel. Die Afterzehe an den Vorderpfoten ist sehr ausgebildet,
mit starkem, gebogenen Nagel, an den Hinterbeinen fehlt sie gänzlich. Diese
nette Hundeart ist erst in neuerer Zeit aufgekommen, scheint aus England
entsprossen und hat in Deutschland gleichsam die Stelle der Möpse eingenommen.
Der Pinscher ist ungeachtet seiner Schlankheit kräftig gebaut, von beständig
heiterem Temperament, daher immer beweglich und unruhig, ohne Falschheit. Er
liebt die Wärme und hält sich vielleicht deshalb gern in Pferdeställen auf.
Bei seiner großen Lebhaftigkeit darf er zur Laufzeit nicht eingesperrt werden,
weil er in diesem Falle der Hundewut leicht ausgesetzt ist. Seine Neigung zum
Jagen ist ihm so angeboren wie dem Dachshunde, in Häusern gehalten, sucht er
ihr wenigstens dadurch zu genügen, daß er sich abends auf den Hof begibt und
den Ratten nachstellt oder in die Gärten geht, um den Maulwürfen aufzulauern."
In einigen Quellen (s.o. Reichenbach) wird England als das Ursprungsland
des Deutschen Pinschers genannt. Die Ähnlichkeit des Black und tan Terriers
wird hier oft ins Feld geführt. Einmal als Beweis des Irrtums einer Abstammung
aus England aufgrund der Verwechslung mit dem Black and tan Terrier und einmal
als Bekräftigung, da der Pinscher seinen Ursprung im Black and tan Terrier
haben könnte.
Im Deutschen Hundestammbuch (Bd. II, 1881) liest man dazu:
"Es dürfte schwerfallen festzustellen, ob unser kurzhaariger Pintscher zuerst
in Deutschland gezüchtet wurde, oder ob derselbe nur ein Nachkomme des alten
englischen Black and tan-Terriers ist, dessen alte Stammform im Laufe der Zeit
bei uns mehr oder weniger abgeändert wurde. Jedenfalls ist unser kurzhaariger
Pintscher von dem heutigen Black-tan oder Manchesterterrier durchaus verschieden
und lange genug als konstante Form in Deutschland gezüchtet worden, um als
deutsche Rasse betrachtet und festgestellt zu werden."
Ilgner schließt sich 1902 dieser Meinung bezüglich der Herkunft des glatthaarigen
Pinschers an:
"Es handelt sich hier auch zweifellos um eine Rasse, die mit dem Black and tan-
Terrier nichts zu tun hat. Als Beweis dieser Angabe ist die Bemerkung anzuführen,
daß in den hessischen und bayerischen Gebieten der Rhön, dem Vogelsgebirge und
Thüringerwalde von jeher große glatthaarige Pinscher vorkamen."
Das stimmt uns ja jetzt wesentlich ruhiger. Die Hunderasse gehört also zu Deutsch-
land, dies wird mit der Namensbezeichnung "Deutscher Pinscher" auch noch einmal
unterstrichen.
Glatthaarpinscher nach Bungartz, 1884
Bungartz begründet die deutsche Abstammung wie folgt vor dem Hintergrund
des möglichen englischen Einflusses des Black and tan-Terriers:
"Da nun auch das Exterieur bei der genannten Rasse ein grundverschiedenes ist
und in Deutschland für den glatthaarigen Pinscher die Rassenbestimmungen aufge-
stellt sind und wir mit der selben Berechtigung wie England, die heimischen
Typen kultivieren und zu konstanten Rassen heranzüchten können, nennen wir
auch den Pinscher einen reinen deutschen und Deutschland eigenen Hund."
Jean Bungartz verweist auf Süddeutschland (insb. Württemberg) als Herkunfts-
gebiet des Pinschers, wo er nach den heutigen Erkenntnissen gegen Ende des
19. Jahrhunderts aus kleinen bis mittelgroßen Bauernhunden herausgezüchtet worden
ist. Bungartz verweist insbesondere auf den Züchter Burger, Leonberg
(Zwinger Rosengarten). Nach Meinung von Strebel und Bergmiller ist der Hauptsitz
der Pinscher Württemberg. Berta berichtet von Vorkommen in Dörfern der Rhön
und in Thüringen.
Felix Ebner schreibt dazu:
"Die Geschichte des zuchtbuchmäßig erfassten Pinschers beginnt mit dem Jahre
1895, und nur Franken, Schwaben und Thüringer haben sich um ihn angenommen.
Der ursprünglich typisch erhaltene Pinscher ist in den hessischen und bayer-
ischen Gebieten, der Rhön, dem Vogelsberg, dem thüringer Wald und sogar in
Südbayern noch genugsam vorhanden und könnte bei Bedarf zur Zucht immer noch
für unsern Sport herangeholt werden."
Bekannte Züchter (Quelle Bungartz ) im Jahr 1884 waren Georg Göller, Stuttgart,
Friedrich Siegel, Stuttgart, H. Wagner, Stuttgart und Carl Burger, Leonberg.
Diese Züchter widmeten sich aber neben Pinschern und Schnauzern auch anderen
Hunderassen. So werden Siegel und Burger auch als Züchter
des Black and tan Terriers angegeben. Eine Einkreuzung des Black and tan Terriers
in die Glatthaar-Pinscher ist daher nicht auszuschließen. Jean Bungartz legt sich
hier aber auch nicht fest:
"Ueber den Ursprung dieser Race ist nichts bekannt, ebensowenig weiß man, ob
er zuerst in Deutschland gezüchtet, oder ob er nur als Abkömmling des eng-
lischen glatthaarigen Terriers (Anm.: gemeint ist vermutlich der Black and
tan) anzusprechen ist. Wie dem auch sei, Thatsache ist, dass er bei uns
schon lange constant gezüchtet, wesentlichvon seinem englischen Vetter ab-
weicht und demnach als deutsche Race zu betrachten ist."
Glatthaarpinscher nach Bungartz, 1888
Zu dieser Zeit spielte auch die Hundezucht im Konkurrenzkampf England gegen
Deutschland eine Rolle. Bungartz --wie auch andere Autoren dieser Zeit-- läßt
im Vergleich mit England, welches die Hundezucht schon etwas länger betreibt,
Minderwertigkeitskomplexe erkennen.
Für Fitzinger war der Pinscher 1876 ein einfacher Bastard gemischter Kreuzung:
"Über die Abstammung dieser Mischlingsform vom Bologneserhunde (Canis
extrarius, hispanicus melitaeus) und dem Spitze (Canis domesticus, pomeranus
audax) kann um so weniger ein Zweifel bestehen, als sie die körperlichen Merkmale
der beiden genannten Racen unverkennbar an sich trägt. Sie kann daher nur als ein
einfacher Bastard gemischter Kreuzung angesehen werden. Von derselben Gestalt und
Größe wie die erstgenannte Race, unterscheidet sie sich von derselben nur durch
nachstehende Merkmale. Ihr Kopf ist etwas länger, niederer, und auch weniger
gerundet, die Stirne schwächer gewölbt, die Schnauze länger und auch weniger
stumpf, die Ohren sind kürzer, schmäler, stumpfspitzig-gerundet, und nur wenig
hängend, und der Leib erscheint in Folge der kürzeren Behaarung schmächtiger,
der Schwanz beträchtlich dünner. Die Färbung ist meistens einfarbig rötlich- oder
gräulichweiß, dunkelgrau, gräulich-schwarz oder schwarz. Nicht selten pflegt man
diese Race durch Abstutzen der Ohren und des Schwanzes zu verstümmeln. Der Pinscher
zeichnet sich durch Lebhaftigkeit, Munterkeit, Freundlichkeit und Anhänglichkeit
aus."
Jean Bungartz schreibt zum Glatthaarpinscher:
"Dieselbe Schärfe und Schneidigkeit, Wachsamkeit und Anhänglichkeit, die gleiche
Erbitterung auf Ratten und die nämliche zu Pferden, die wir bei den rauhaarigen
Verwandten, dem Rattenfänger finden, ist auch dem glatthaarigen Pinscher in
selber Weise eigen."
Kurzhaariger Pinscher nach Horn, 1882
Auch A. Brehm schreibt in seinem Tierleben zu den Fähigkeiten des Pinschers: "Die
geistigen Fähigkeiten der Pinscher sind sehr beachtenswert. Sie zeigen einen
hohen Verstand, viel Selbstüberlegung und Geschicklichkeit, sich in allen Lagen
zu finden." Brehm schreibt weiter:
"Die Glatthaarigen ähneln in ihrem Gesamtbau dem Dachshunde, unterscheiden sich
von ihm aber durch die höheren und geraden Beine und die ganz aufrechtstehenden
oder nur mit der Spitze überhängenden Ohren. Die meisten sind dunkelhaarig; ge-
fleckte kommen schon seltener vor. Ihr Körper ist ziemlich schlank, der Kopf
stark, die Schnauze lang und gerade abgestumpft, der Schwanz, welcher nach rück-
wärts oder vorwärts gekrümmt getragen wird, glatt, die Beine sind mittelhoch und
gerade. In der Jugend schneidet man den Pinschern gewöhnlich den Schwanz und die
Ohren ab und verhäßlicht hierdurch die Tiere in unverantwortlicher Weise."
Seyfarth schreibt über den glatthaarigen deutschen Pinscher:
"Seine Entstehung dürfte auf eine gelungene Kreuzung zwischen dem hochbeinigen
Dachs und kleinen Windhund zurückzuführen oder als Produkt einer ähnlichen Kreuzung
mit dem englischen Terrier anzusehen sein. Tatsächlich findet er sich in Deutschland
schon seit langer Zeit rein gezüchtet vor und kann daher als deutsche konstante Rasse
angesehen werden. Vor seinem englischen Vetter hat er vieles voraus, denn er ist be-
deutend kräftiger und härter als der englische Konkurrent. Seine vorzüglichen Eigen-
schaften sind ganz dieselben wie beim deutschen Rattler, auch teilt er dessen Lieb-
haberei hinsichtlich Vertilgung von Nagetieren. Seine Vorliebe in den Erdlöchern
nachzuwühlen, scheint einiges Dachsblut zu verraten."
So einfach ist das: Der Pinscher ist ein höhergelegter Dackel (Dachshund) und die
langen Beine hat er vom tiefergelegten Windhund.
Beckmann schreibt 1894 über den Pinscher:
"Die deutschen Pinscher entsprechen als Rasse im Allgemeinen den englischen
Terrier....Man unterscheidet bei uns den kurzhaarigen und den rauhaarigen Pinscher..."
Der glatthaarige Pinscher nach von Kochitzky, 1904
Von Kochitzky liefert 1904 folgendes Bild vom glatthaarigen Pinscher:
"Den glatthaarigen Pinscher zeichnet eine selbstbewußte, kecke Haltung aus; stets zum
treiben von allerlei Kurzweil aufgelegt, sucht er die Unterhaltung mit seinem Herrn.
Der Kopf ist nicht sehr langgestreckt, der Oberkopf gewölbter und breiter, der Schnau-
zenteil länger als beim englischen Terrier. Die hoch angesetzten Ohren, sind aufwärts
gerichtet und soll die überfallende Spitze gut zugeschnitten sein. Der Hals ist schlank
und ohne Kehlhaut. Der Rippenkorb tief und seitlich zusammengedrückt. Der Rücken ist
kräftig und in der Nierenpartie gut gewölbt. Die Läufe feinknochig, aber gut bemuskelt.
Das Haar soll kurz, glatt und straff sein. Die Farbe soll der unserer Dachshunde ent-
sprechen."
S. Frey charakterisiert den glatthaarigen deutschen Pinscher 1907 sehr positiv:
"Flink und mutig, kräftig ohne jede Neigung zur Schwerfälligkeit oder Plumpheit.
Wachsam, aber nicht nörgelnd. Und temperamentvoll im höchsten Grade; aber ja nicht
etwa zappelig oder nervös. Der Hund verfügt über Klugheit und Treue in so ausgesprochen
idealer Weise, wie diese Eigenschaften kaum wieder bei einer anderen Rasse vorkommen."
E. Wörz beschreibt 1909 den Glatthaar-Pinscher wie folgt:
"Schulterhöhe 40 bis 50 cm, Gewicht bis höchstens 20 kg, kräftig, sehnig, fast so hoch
als lang, intelligent, mutig, lebhaft, ausdauernd, anhänglich, gehorsam, große Augen,
Ohren und Rute stark gestutzt, Haar: kurz, straff, glänzend, Farbe: schwarz mit gelb-
braun."
Zeichnung von Richard Strebel
R. Löns war der Ansicht, dass Pinscher und Terrier eine Form, die sich aus den Bullen-
beißern und Hausspitzern entwickelt hat, sind. Er schreibt 1913 dazu:
"Sie sind natürlich aus dem Spitz entstandene glatthaarige, später auch rauhaarige
Haushunde, die ihre großen Verschiedenenheiten den Blutbeimischungen aller kleineren
Hundearten verdanken, von denen das Blut der Windhunde, der zotthaarigen Schäferhunde,
der Bullenbeißer, der kleinen Seidenhündchen, die selbstverständlich aufallen Umwegen
zusammengelangten, am deutlichsten in Erscheinung treten."
Auch Bergmiller verweist auf verwandtschaftliche Beziehungen zu den Urahnen des Spitzes.
1920 ergänzt R. Löns die Beschreibung des Pinschers:
"Vom Bullenbeißer und Hauspitz haben diese Hündchen (Anm.: Pinscher) den Jagdeifer auf
alles kleine Raubzeug und schädliches Getier, auch ihre Lenksamkeit und Willigkeit und
ihre Arbeitsfreude. Am meisten hat sich noch der Eifer der Wachsamkeit und die Jagdlust
erhalten; die Schärfe ist stark zurückgegangen, die Lenksamkeit fast verschwunden....
Von den kurzhaarigen Pinschern hat der Sport sich eine, dem Schnauzer gleichen Form in
schwarz-roter und roter Farbe zum Ziel gesetzt, ohne damit vom Fleck zu kommen. Gute
kurzhaarige Pinscher ohne sportliche Abstammung gibt es aber in allen Städten in Menge."
Veredelung, oder bleibt der Deutsche Pinscher ein Mauerblümchen ?
In der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts kam es in Deutschland zur Gründung von kynolo--
gischen Vereinen. Es wurden Hundeausstellungen, organisiert, deren Zuchtrichter sich an
den von den Vereinen vorgegebenen Rassestandards orientiert haben. Zuchthunde mussten -
bestimmte Kriterien erfüllen oder wurden aufgrund von Prämierungen auf den Ausstellungen
häufiger zur Zucht eingesetzt. Idealvorstellungen wurden angestrebt (Veredelung) und
führten zu einer Vereinheitlichung der jeweiligen Hunderasse.
Drt Pinscherhund aus der "Monographie des Hundes" von Theodor Götz, 1834
Im Deutschen Hundestammbuch (Band II von 1881) wurden erstmals die Rassekennzeichen
der Rauhaar- und Glatthaarpinscher festgelegt.
Mit Gründung des "Pinscherklubs" durch J. Berta am 3. März 1895 wurden die bis dahin statt-
gefundenen "wilden" Veredelungsversuche der Pinscher systematisiert. Davon
profitierte der rauhaarige Pinscher (Schnauzer). Der glatthaarige Pinscher
blieb ein Sorgenkind. Konkurrenz bekam der glatthaarige Pinscher vom Black
and tan Terrier (unten links um 1890, Quelle: van Bylandt) und vom Dobermann (unten rechts
um 1898, Quelle: van Bylandt).
Die Einkreuzungsüberlegungen von Black and tan Terrier und/oder vom Dobermann wurde mit
wachsender Besorgnis beobachtet. Beide Hunderassen galten damals als veredelt, m.a.W.
hatten eine schönere und beständigere Form als der Glatthaarpinscher. Das mühsame Geschäft
den Pinscher zu veredeln bei dieser Konkurrenz, wollten viele Züchter nicht auf sich
nehmen. Werner Jung bezeichnete den Deutschen Pinscher als "Schmerzenskind der Hochzucht"
und "Wie ein sehr seltenes Mauerblümchen hat er sich in unsere Zeit herübergerettet. Von
einer Verbreitung der Rasse konnte keine Rede sein." Strebel verweist
auf die im Hundestammbuch ausdrücklich erwähnten fehlerhaften "schwarzen Zehenpunkte",
da es für ihn ein Merkmal für die Einkreuzung des Black und tan Terriers seien.
Laut Strebel brauchte der Pinscher lange, im Vergleich zu anderen Rassen,
um sich zu einer einheitlichen Form durchzuringen. In einem Wurf waren noch um die Jahr-
hundertwende alle Formen der Behaarung vorhanden; also Glatthaar- und Rauhaarpinscher. Die
Namensgebung Schnauzer setzte sich jetzt auch für die rauhaarigen Pinscher durch, insbe-
sondere für die Hunde mit stark entwickelten Schnauzbärten und Augenbrauen. Damals wurden
Pinscher und Schnauzer noch miteinander gekreuzt, erst später entwickelten sich die heutigen
Reinzuchten. Die Pinscher waren nun nur noch die glatthaarigen Hunde.
Die offizielle Umbenennung der rauhaarigen Pinscher in Schnauzer fand nach Räber 1917 in
Band VI des Pinscher-Schnauzer-Zuchtbuches statt. Da Pinscher und Schnauzer eine gemeinsame
Basis haben, werden sie kynologisch in einer Familie: "Pinscher- und Schnauzer" eingeordnet.
Obwohl verstärkt die Reinzucht von Pinschern und Schnauzern betrieben wurde, gab es immer
wieder Überraschungen, die die gemeinsamen Ahnen dieser beiden Rassen erkennen lassen.
So schrieb Berta:
1896 in Hundesport und Jagd:
"In einem Wurf rauhaariger Pinscher - von Schnauzer-E...aus Blitzmädel, beide pfeffer- und
salzfarbig, hart und reichbehaart - befindet sich eine ganz glatthaarige Hündin, einfarbig
gelb mit sammet-schwarzem Schnauzentheil. Heute nach 6 Monaten, ist an der Behaarung noch
nichts zu bemerken, was auf eine eintretende Veränderung lassen schliessen könnte; sie ist
so kurz, glatt und glänzend, wie nur das Idealhaar der kurzhaarigen Spiezies sein kann.
Dabei ist das Thier von prächtigem Ausdruck und Gebäude...Puppies mit kurzer Behaarung
rauhaarigerQualität treten bisweilen auf; aber ein so typischer Glatthaar unter 6 Rauh-
beinen habe ich noch nicht bemerkt."
Schnauzer nach Bylandt, 1904 (Quelle: Räber)
Deutsch-kurzhaariger Pinscher "Peter", gezeichnet 1899 von Albert Kull,
Besitzer: G. Göller, Stuttgart (Quelle: Hundesport und Jagd, 30.März.1899)
Der Pinscher-Klub konzentrierte sich fast ausschließlich auf den rauhaarigen Pinscher
(Schnauzer).
J. Berta schilderte im ersten 1. Band des Zuchtbuches des Pinscher-Klubs im Jahre 1902
die Situation wie folgt:
"Als der Unterzeichnete im Frühjahr 1895 einen Aufruf zur Gründung eines Pinscher-Klubs
erließ, gab es der berufenen Züchter und Liebhaber unseres braven vaterländischen Hundes
herzlich wenig.....
Noch schlimmer sah es bei seinem kurzhaarigen Vetter (Anm. gemeint ist der glatthaarige
Pinscher) aus -er war völlig vergessen und verschwunden, während die bunte Schar der
Zwerge in ihrere Vielgestaltigkeit heute noch viel zu wünschen übrig läßt. Es war keine
leichte Aufgabe...unserem rückständigen heimischen Hund die Bahn frei zu machen und die
verdiente Anerkennung und Beachtung zuverschaffen. Und in der Tat ging es langsam genug
vorwärts."
Josef Berta, Gründer des Pinscher-Schnauzer Klubs (Quelle: Jung)
Berta setzte sich dafür ein, dass im Rahmen der Ausstellungen eine Versuchsklasse für den
glatthaarigen deutschen Pinscher eingerichtet wurde (München 1895, Berlin 1896).
In Berlin stellte Berta: den glatthaarigen Pinscher "Mahagoni" aus und erhielt einen
"Ermunterungspreis". Damit wollte man das Interesse für diese Rasse fördern. Von da an in
tauchten auf Ausstellungen immer wieder mal glatthaarige Pinscher auf, aber stets in
geringer Zahl. In einer offiziellen Bekanntmachung des Pinscher-Klubs zur Ausstellung
vom 7. bis 10. September in München in der Zeitschrift Wild und Hund (1. Jg. 1895) wird
ein Ehrenpreis für den großen glatthaarigen Pinscher angeboten mit folgender Be-
gründung von J. Berta:
"Dem fast verschollenen und total verzüchteten großen, glatthaarigen Pinscher aufzuhelfen,
ist ein hervorragender Programmpunkt unseres Klubs. Alle Sportfreunde sind daher gebeten,
ihr Augenmerk auf den unverdientermaßen im Stich gelassenen heimischen Hund zu richten
und dem Unterzeichneten (Anm.: J. Berta) Mitteilung zu machen, wenn sie gutes Material
entdeckt haben und selbst keinen Gebrauch davon machen wollen. Wir hoffen in aller Kürze
die Rasse in Wort und Bild zu bringen."
Sich ein Bild vom glatthaarigen Pinscher zu machen war aber ein Problem. Strebel schreibt
in Wild und Hund anläßlich einer Ausstellung in Seesen a. Harz (22.-24. Juni 1895):
"Idealer kurzhaariger Pinscher" nach Strebel
"Deutsche glatthaarige Pinscher.Klasse 109. Rüden. Die Klasse zeigt ein sonderbares Bild;
eine solche Klasse habe ich bis jetzt noch nicht gesehen, ich war in der bedauerlichen
Lage keinerlei Auszeichnungen vergeben zu können. Ähnlich ging es mir in Klasse 110.
Hündinnen. Darin gab ich aus Gnade und Barmherzigkeit "Putzli II", Besitzer Kahle, weil
es eine ausgezeichnet gebaute Hündin ist, einen Ehrenpreis. Aber ihre Abstammung ist
fürchterlich, ein bosnischer Fitzliputzli."
Albert Kull berichtet wenig erfreuliches in der Zeitschrift Hundesport und Jagd, 1899:
"Leider ist die Freude (Anm.: Vorführung von mehreren glatthaarigen Pinschern) nach der
Auskunft, welche mir mehrere Besucher der Erfurter Ausstellung über diese Rasse geben
konnten, sehr getrübt, fast möchte ich sagen, ganz genommen worden; denn der Bericht
lautete nichts weniger wie günstig, da hörte man von Dingen, wie dickköpfige, klotzige,
unedle Halbhunde, kleine Rottweiler oder ähnlich den Appenzeller Treibhunden mit
schlechten Abzeichen etc. So mögen diese Dobermänner ihrem Schöpfer wohl ehedem ganz
gute Dienste als Metzgerhunde geleistet haben; aber dem deutschen Pinscher möchte ich
doch eine bessere und vornehmere Ausgestaltung wünschen und dementsprechend gerade für
den kurzhaarigen eher nach mehr Adel und Schnitt beanspruchen, als beim Rauhaarigen
erwünscht wäre. Wohl sah ich in den letzten Jahren einige gute Exemplare, die allerdings
als Rückschlag aus rauhaarigen Würfen gefallen sein mochten."
A. Kull beschreibt dann aber einen Lichtblick "Ideal eines kurzhaarigen Pinschers" und
zeichnete den Pinscher "Peter" (siehe oben). Kull schreibt zum Schluß:
"Noch sei erwähnt, dass die Mutter "Peters" nach Aussage des Herrn Göller (Anm.: Züchter
von Peter) in allen Theilen ebenso den alten kurzhaarigen Typ repräsentiert und dement-
sprechend wohl angenommen werden kann, dass noch ein, wenn auch kleiner Stamm, dieser
fast verschollenen Rasse vorhanden ist. Da ist es doch sicherlich Ehrenpflicht der
deutschen Kynologie -deren offizielle Vertretung allerdings herzlich wenig von solchen
Pflichten wissen will- dieser einst so beliebten Hundeform, wieder zu altem Ansehen zu
verhelfen und den alten, fast kaum zu begreifenden Schlendrian wieder gut zumachen."
Hoffmann schreibt 1901:
Es ist sehr zu bedaueren, dass man für den deutschen glatthaarigen Pinscher noch keine
Rassezeichen aufgestellt hat. Dieselben sind in großer Zahl in Süddeutschland vorhanden
und es gibt ganz typische Exemplare in verschiedenen Größen."
Der "kurzhaarige Pinscher" kommt nicht gut weg bei Beckmann:
"Die Rassezeichen dieser Hunde wurden bereits im Jahre 1882 festgestellt, indeß ist
dadurch keine Verbesserung der ziemlich zurückgebliebenen Rasse herbeigeführt, sie sind
immer seltener auf den Ausstellungen erschienen und da sie sich von der veralteten Form
der früheren Black-tan-Terriers kaum unterscheiden, so haben wir diese Unterrasse wohl
als erloschen zu betrachten. Wenigstens sind trotz aller Bemühungen auf den letzten
Ausstellungen keine irgend bemerkenswerthen Exemplare erschienen, welche die Fortführung
dieser Rasse als wünschenswerth erscheinen ließen."
Finsterer kann es jetzt kaum noch werden. Der kurzhaarige Pinscher ist abgeschrieben.
Zukunft hatte nach Ansicht Beckmanns nur der rauhaarige Pinscher.
Strebel schreibt zum Stellenwert des Pinschers:
Ami Dittmann, gew. 1899, Züchter Rissmann, Guttstadt; Quelle: Jung
"Der Pinscher hatte am längsten auf seine Schilderhebung zu warten, das mag wohl daran
gelegen haben, daß er ursprünglich nur Stallhund war...Er war ein Plebejer. Dieser seiner
Stellung ist es auch zuzuschreiben, daß man so spät von ihm zu hören bekam, weil man ihn
seiner Alltäglichkeit und untergeordneten Stellung halber einer Wiedergabe durch Wort und
Bild nicht würdig genug erachtete."
Morgan konnte nicht viel von einem edlen Rassehund erkennen:
"Der Pinscher von dem es eine rauhe und glatthaarige Varietät gibt, ist ein Plebejer
unter den Hunden und zumeist als Stallpinscher in die Pferdestallungen verwiesen. In
seinem Stammlande (Württemberg) ist er in Bauerndörfern sehr häufig und als leiden-
schaftlicher Wilddieb allen Jägern ein Greuel. Kommt in sehr vielen Farben vor, be-
sonders in allen Arten von Braun, Grau und Gelblich und erreicht 40 cm durchschnitt-
liche Höhe."
Löns gab dem glatthaarigen Pinscher wenig Chancen:
"Ein rechtes Stiefkind des deutschen Hundesports, früher ein Liebling des Hauses. Ich
glaube, daß die Einförmigkeitssucht des Sportzüchters ihn auf dem Gewissen hat.
Der in seinem Anfangsstadium so überweise deutsche Hundesport erkannte den Wert des
glatthaarigen Pinschers nicht. Er bestimmte, daß der kurzhaarige Pinscher quadratisch
gebaut und vorne und hinten abgeschnitten werden sollte. Ein solcher Hund entbehrt
jeden Reiz der Schönheit und jede Zuchtschwierigkeit, da man mit der Schere die meisten
Fixköter zu solchen Pinschern machen kann. An dieser Reizlosigkeit starb der gute kurz-
haarige Pinscher. Nur ganz selten zeigt sich noch ein richtiger Vertreter der Art auf
einer Ausstellung, sein Erbe hat der Dobermann angetreten. Die glatthaarig verunglückten
Schnauzer, die sich auf den Ausstellungen als kurzhaarige Pinscher brüsten, kann man
nicht gut ernst nehmen. Einen schönen Hund habe ich auch noch kaum darunter gesehen."
Glatthaariger- u. Harlekinzwergpinscher nach Strebel, 1904/05
Ilgner stellt 1921 erste Fortschritte bei der Rasse des Pinschers fest. Er schreibt
über den Pinscher:
"Hochentwickelte Sinnesorgane, Klugheit, große Dressurfähigkeit, rastlose Aufmerksamkeit,
blitzartige Schnelligkeit, nie wankende Treue, Mut und Ausdauer, zähe, sehnige Kraft,
Widerstandsfähigkeit gegen die Unbilden des Wetters sind seine hervortretenden Eigen-
schaften, die ihn ganz charakterisieren. Der Kopf ist weniger langgestreckt, der Ober-
kopf gewölbter und breiter, der Schnauzenteil länger als beim englischen Terrier. Die
Ohren müssen hoch angesetzt und von der Wurzel ab aufwärts gerichtet sein, die über-
fallene Spitze soll gut zugeschnitten sein. Das Auge ist von Mittelgröße, voll mit sehr
intelligentem Gesichtsausdruck. Sehr muskulös sind die Läufe. Das Haar ist kurz, glatt
und straff. Am schönsten ist glänzend schwarz mit rost-braunen Abzeichen. Dunkelbraun
mit gelben Abzeichen ist nicht so gern gesehen. Da es sich hier jedoch um eine wieder
zu erzüchtende Rasse handelt, so sollte man in Bestimmung der Farben nicht zu engherzig
sein."
Max von der fröhlichen Pfalz, gew. 15.11.1909, Züchter: Stöhrer, Heidelberg
(Quelle: Pinscher-ZB Bd. IV)
Ebner schreibt über den Deutschen Pinscher 1937:
"Er bietet dem Auge ein schönes Bild: Nicht so hochläufig wie der Dobermann, von zweck-
mäßiger, ansprechender Mittelgröße mit guter leistungsfähiger Bemuskelung, gewandt,
aufmerksam, schneidig und doch beherrscht, kann man an ihm schon seine Freude haben.
Meist ist er schwarz mit rotem Brand oder braun mit Brand, aber auch ganz rot oder ganz
schwarz."
Glatthaarige Pinscher, Züchter: Carl Schad, Frankfurt a.M.; Zwinger: Geranium
(Quelle: Ilgner, 1904)
Werner Jung sieht den Schwerpunkt der Pinscherzucht um die Jahrhundertwende bis zum 1.
Weltkrieg in Thüringen und Württemberg. Als Züchter gibt er an: Wilhelm Kübler, Backnang
(Württemberg), Heinrich Giese (Zwinger v. Beutenberg), Chemnitz, O.Göller, Apolda
(Thüringen), Carl Dittmann, Apolda,
Arthur Seyfarth, Köstritz, Ludwig Fuchs, Erfurt, Otto Möller, Erfurt, Wattger, Göppingen
(Württemberg), Eugen Schuder (Zwinger v.d. Staufenburg), Göppingen, Kraft, Tiengen
(Schwarzwald), Louis Groh, Heidelberg, Otto Rienecker (Zwinger v. Kirchberg), Neudieten-
dorf (Thüringen) und Erwin Stöhrer (Zwinger v.d. Fröhlichen Pfalz), Eiterbach. In Band I
(1902) des Zuchtbuches des PSK wurden 4 Rüden und 4 Hündinnen eingetragen.
Die wichtigsten Hunde für die Zucht in den folgenden Jahren waren Max v. Göppingen, gew.
1910 (ZB.Nr. 2187), Bella v.d. Staufenburg, gew. 1909 (ZB.Nr. 2013); beide schwarzbraun.
Diese Hunde sind in zahlreichen Stammbäumen vertreten.
Molli vom Neckarthal, gew. 6.12.1911, Züchter: Groh, Heidelberg
Quelle: Pinscher-ZB Bd. IV)
1916 waren es insgesamt 233 Eintragungen, davon waren viele Pinscher in Schnauzerwürfen
gefallen und daher keine echten Glatthaarpinscher.
Asta v.d. Lauter, gew. 1912, Züchter: Heinz, Kaiserslautern
(Quelle: Pinscher-Zuchtbuch Bd. IV)
Um 1922 äußert sich J. Berta in einem Artikel der Zeitschrift "Hundesport und Jagd" erneut zum
Glatthaarpinscher:
"Als der Deutsche anfing , Hundesport nach englischem Muster zu treiben, gab es noch
einen glatthaarigen Pinscher, noch verbreiteter als der Schnauzer.....wenn wir nicht
gleichzeitig mit diesem Sport auch die Sportrassen aus England übernommen hätten. Die
englische Zucht war uns um Jahrzehnte voraus, und wir zogen vor, da zu beginnen, wo
jene stand, ihre Erfahrungen und Ergebnisse fertig zu übernehmen, statt uns am Eigenen
und aus dem Eigenen heraus zu bilden....Dem glatthaarigen Vetter lächelte keines
Medicäers Güte; er blieb vergessen, zumal die Epigonen Hartensteins ihre Not hatten,
den Schnauzer gegen die englische Invasion zu behaupten."
Arko v.d. Lauter, gew. 12.04.1912, Züchter: Heinz, Kaiserslautern
(Quelle: Pinscher-Zuchtbuch Bd. IV)
Weltkriege, die dem Pinscher schwer schaden
1. Weltkrieg und erste Rettung
Dann kam der 1. Weltkrieg und vernichtete fast diese Bemühungen um den Deutschen
Pinscher. Die Züchter Schuder, Göppingen und Stöhrer, Heidelberg retteten den
Pinscher über den Krieg hinweg.
Max von der Staufenburg, gew. 1921, Züchter: Schuder, Göppingen
(Quelle: Pinscher-Schnauzer-Zuchtbuch Bd. I)
Die göppinger Gruppe nahm sich in den 20er Jahren des Deutschen Pinschers an. Hervor
zu heben ist dabei der Züchter Karl Mühlich (Zwinger v. Filseck), Göppingen. Mühlich
baute auf der Zucht von Schuder (Zuchthündin Gretl v.d. Staufenburg) auf und widmete
sich von 1922 bis 1934 der Pinscherzucht. Er baut mit Anderen den göppinger Züchter-
kreis auf.
Edmund v. Filseck, gew. 1934, Züchter: Mühlich, Göppingen u. Gretl v.d. Staufenburg,
gew. 1921, (Quelle: Pinscher-Schnauzer-Zuchtbuch Bd. I und XIII)
Schon bald ist Göppingen und Umgebung die Pinscherhochburg mit folgenden weiteren
Züchtern:
Wilhelm Huttenlocher (Zwinger v. Oberholz), Karl Stoll, (Zwinger v.d. Bertaburg),
Heinrich Dannemann (Zwinger v. Schwabaländle), Karl Herbolzheimer (Zwinger v.d. rauhen
Alb), August Scherz (Zwinger v.d. Sükowe), Eugen Hännßler (Zwinger v. Wasserberg),
Holzheim, Gottlieb Breßmer (Zwinger v.d. Kuchalb), Joh. Lang (Zwinger v. Oberböhringen),
Gottleib Weiler (Zwinger v.d. Lipperburg), Karl Riesch (Zwinger v. Scharfenschloß),
Karl Rapp (Zwinger v. Holzheim), Holzheim, J. Funk (Zwinger v. Eichert), Göppingen,
Adolf Plocher (Zwinger v. Christofsfeld), Göppingen u.v.m.
Altdeutscher Kurzhaarpinscher nach Strebel (Quelle: Der Hund, 1932)
Ausgelöst durch Ausstellungen in Stuttgart 1921 und Frankfurt 1922, auf denen glatt-
haarige Pinscher gezeigt wurden, wurde eine Pinscherkommission durch den Pinscherklub
im Jahr 1922 eingerichtet, umkynologische Fragestellungen zu klären.
Mitglieder der Kommission waren J. Berta, Heinrich Giese, Karl Mühlich und
Am 17. u. 18.3.1923 wurden auf der Stuttgarter Ausstellung 13 glatthaarige Pinscher
ausgestellt. Davon wurden alleine 12 Pinscher von der göppinger Züchtergruppe des
Pinscherklubs in den Ring gestellt. Diese göppinger Züchterkolonie arbeitet zu der
Zeit mit 30 Zuchttieren. Dabei wurden Black an tan Terrier eingekreuzt um eine Frisch-
blutzufuhr zu realisieren. Diese feingliedrigen Terrier führten zu einer beim Pinscher
nicht willkommenen Feingliedrigkeit des Gebäudes ("Verfeinerung"), einer pinscherun-
typischen Kopf- und Augenstellung. Gesucht war der Pinschertyp der sich einerseits
vom Dobermann andererseits vom Black and tan Terrier und vom Zwergpinscher abgrenzte.
Der Deutsche Pinscher sollte sich nach den Vorstellungen der Pinscherkommission nach
Typ und Größe von dieser Konkurrenz absetzen. Das Haar des Deutschen Pinschers sollte
kurz, dicht, glatt, anliegend und glänzend, durchgezüchtet (3 Generationen in Folge
erfüllen diese Anforderungen) sein. Erlaubt sind die Farben: schwarzrot, pfeffersalz-
farben, schwarz, dunkelbraun, braungelb und rotgelb. Festgestellt wurde 1923 auch,
dass der Glatthaarpinscher noch auf dem Stand von 1880 steht und nicht wie der Schnauzer
weiter veredelt wurde. Die Feingliedrigkeit des Pinschers war nicht willkommen, da der
Pinscher als Gebrauchshund gesehen wurde. Die Kommission wollte folgenden Pinscher
haben:
"Der glatthaarige Pinscher ist ein schnittiger, dabei kräftiger, sehnig-muskulöser Hund
von möglichst nicht unter 43 un nicht über 48 cm Höhe, kurz und gepackt gebaut, keck
und munter, frei und beweglich in der Haltung, immer aufmerksam, mit erhobenem Kopf
und Hals, klug und anstellig, zuverlässig und unermütlich als Wächter des Hauses, als
treuer Begleiter von Mensch und Gefährt und als geborener Feind und Vertilger der
Ratten und Mäuse. Sein gutartiger Charakter zeigt sich in der Lust zu spielen und in
der liebenswürdigen Art des Verkehrs mit Kindern. Äußere Form und inneres Wesen sind
untrennbar in diesem Hund und geben ihm zusammen das Gepräge."
Müller beschreibt den glatthaarigen Pinscher 1920 wie folgt:
"Der Körperbau dieses kräftigen, lebhaften sehr anhänglichen Hundes deckt sich im
großen und ganzen mit der rauhaarigen Form; jedoch ist der Oberkopf des meist etwas
hochläufig gestellten Tieres mitunter schwach gewölbt, und die Behaarung ist nicht rauh,
sondern kurz und glatt anliegend. Die Farbe ist schwarz mit gelbbraunen Abzeichen.
Ohren und Rute sind in der Regel stark gestutzt."
Das schwäbische Zuchtgebiet (Göppingen) blieb bis zum 2. Weltkrieg und teilweise danach
die wichtigste Bastion der Pinscherzucht. Zu nennen sind aber auch so wichtige Züchter
wie Dr. Dauber (1925-46 Zwinger v. Glan), Kaiserslautern (71 Würfe mit 241 Pinscher),
der Züchter E. Wörle (Zwinger Fortuna), Würzburg (87 Pinscher gezüchtet) und Otto
Rienecker (Zwinger v. Kirchberg), Neuditendorf, der nach einer Pause die Zucht mit
Bertram v. Port Arthur (siehe unten) und Silva v. Filseck wieder aufgenommen hatte.
In den 30er Jahren beherrschten die Zwinger v. Kirchberg und v. Glan die Pinscherszene.
Bertram v. Port Arthur, gew. 1924, Züchter Drewnick, Erfurt; (Quelle: Jung)
Also und Afra v. Kirchberg, gew. 05.07.1931, Züchter: Rienecker, Neudietendorf
(Quelle: Pinscher-Schnauzer-Zuchtbuch Bd. XIII und XV)
Afra v. Kirchberg wurde 1934 Reichssieger und 1935 Weltsieger
Felix Ebner begründet 1937, warum der Pinscher als Rasse nicht unterging:
"Seine ausgezeichneten Eigenschaften bewahren ihn vor dem völligen Untergang. Es gibt
gar viele Menschen, die für den Rauhaarigen kein Verständnis aufbringen können. Sie
wollen keinen Hund der Pflege und Aufmerksamkeit verlangt. Wird der rauhaarige nicht
mit Sachkenntnis behandelt, so macht er an regnerischen Tagen oder bei starker Staub-
bildung kein gutes Bild, und man befürchtet, er könne Teppiche, Wohnung und Kleider
beschmutzen. Ihnen empfehle ich den Glatthaarigen, kurz den Pinscher. Dieser kurz
und glatt behaarte Begleiter braucht nicht unschuldig zu leiden und ist auch beim
widrigsten Wetter in Gesellschaftsanzug. Er bedarf keiner besonderen Pflege, ein
hundewürdiges, sauberes Lager genügt ihn auf der Höhe zu erhalten, und sein Bedürfnis
für Haut- und Haarpflege findet im engen persönlichen Verkehr mit den Hausgenossen,
die ihn streicheln und liebkosen, eine ausreichende Befriedigung. Er ist immer glatt
und glänzend-behend und ruhig, bescheiden und wieder vorwitzig, bald lustig und bald
zurückgezogen und fügt sich indie Familiengemeinschaft ein."
2. Weltkrieg überlebt und dann doch das Ende ?
Zur Reichssiegerausstellung 1941 in Stuttgart erschienen noch 16 Pinscher. Sie
stammten aber alle aus dem Zwinger "von Barbarossa" des Züchters Otto Retter. Einige
Pinscher überlebten auch den 2. Weltkrieg. Sie überlebten aber nicht die Nachkriegs-
zeit.
Werner Jung schreibt zur weiteren Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg bis 1949:
"So segensreich die Tätigkeit der Pinscherkommission des PSK gewirkt hat, ungeklärt
ließ sie den rechten Pinscher-Kopftyp, den Pinscher-Ausdruck! Dieses Versäumnis
wirkte sich so verhängnisvoll aus, daß in den Jahren kurz nach dem zweiten Weltkrieg,
den die Pinscher glücklich überlebt hatten, gelegentlich einer Ausstellung ein Streit
ausbrach, der den letzten Züchtern den Mut zur Weiterzucht genommen hat! So starb
denn der Pinscher nach den Eintragungen des Jahres 1949 im Kernland der einstigen
Zucht, im göppinger Gebiet und damit auch im Bundesgebiet."
In der Schweiz kämpfte noch Jean Pfister, Tann-Rüti (ab 1919 Zwinger v. Jonatal) bis
1960 um den Erhalt der Rasse. Er bemühte sich insbesondere um die pfeffer-salz-
farbigen Pinscher.
Elly (gew. 1931) und Jörg (gew. 1936) v. Jonatal, Züchter: J. Pfister, Tann-Rüti
(Quelle: Räber)
Das letzte Stündlein hatte für den Deutschen Pinscher geschlagen.
Rettung, oder ein Mann, dem wir viel zu verdanken haben
Werner Jung wirft dem PSK den großen Fehler vor, nur sein Augenmerk auf die rau-
haarigen Rassen gerichtet und versäumt zu haben, den Pinscher zu "veredeln". Im
Zuchtbericht von Bad Kreuznach (1956) des Werner Jung sind folgende Worte über-
liefert:
"Nach 1949 weisen unsere Zuchtbücher nunmehr keine Würfe der Pinscher mehr aus. Nur
in den Kreisen Schmalkalden und Erfurt in Thüringen wurde die Zucht mit wenigen
schwarzbraunen Exemplaren fortgesetzt. Still geworden ist es um die bekannte Zucht-
stätte der Glatthaarpinscher des Dr. Dauber, der lange Jahre alle Farbenschläge ge-
züchtet und auch den Silberpinsch nach einer Anregung unseres Altmeisters Strebel
herausgebracht hat. Lobend sei der Zwinger v. Jonatal, unseres Sportfreundes Pfister,
Tann/Rüti in der Schweiz erwähnt, der sich um den pfeffersalzfarbigen Pinscher die
erdenklichste Mühe gegeben hat. Im Stammland Württemberg ist es ebenfalls still
geworden. Die Pflege der Tradition gebietet es, und wir fassen unsere Würtemberger
einmal persönlich, hier ihren Ehrgeiz einzusetzen, um ein Naturdenkmal ihrer Heimat
vor der völligen Vernichtung zu bewahren. Ich glaube doch mit meinem Appell an
die Sportfreunde im Kernland der einstigen Zucht, keine Fehlbitte getan zu haben.
Die ältesten Pinscher, die nach dem Kriege in unserem Land gezüchtet wurden, sind
nunmehr dreizehn Jahre, die jüngsten sind jetzt neun Jahre alt. Wir sind uns doch
völlig im klaren darüber, daß mein Appell wie ein letzter Notschrei aufzufassen
ist, wenn der verhallt, können wir das Leichentuch über dieses Vermächtnis aus alter
Zeit breiten."
Doch es kam keine Unterstützung. Die letzten Züchter haben im Streit um den Pinscher-
Typ aufgegeben. Der PSK hatte mit den Nachwirkungen des Krieges zu kämpfen und diese
Umbrüche belasteten die Reformierung und den Neuaufbau der PSK-Organisation erheblich.
Werner Jung war auf sich allein gestellt.
Werner Jung
Er begab sich auf die Suche in das göppinger Gebiet. Aber die ehemalige Hochburg
der Pinscherzucht war verwaist. Er traf nur noch auf eine 10jährige, nicht mehr
zuchtfähige Hündin. Es machte sich Niedergeschlagenheit breit:
"Was war dies doch für ein Jammer ?! - Der PSK blieb ohne jede Reaktion, und ich
war Hauptzuchtwart! Einmal würde ich in die Geschichte des Klubs eingehen, als der
Hauptzuchtwart, unter dem eine ganze Rasse ausgestorben ist, der Pinscher sein Leben
ausgehaucht hat ?! Sollten wir etwa als letzte Möglichkeit zur Rettung selbst
Pinscher züchten ? - Unsere innigst geliebten Riesen aufgeben ? Das PSK-Gewissen
ließ uns keine Ruhe !"
Werner Jung fand keine anderen Züchter, die er für den Neuaufbau der Rasse be-
geistern konnte. Er musste die Zucht selber aufnehmen und dafür seine Schnauzerzucht
aufgeben. Nach schwerer Überzeugungsarbeit bei seiner Familie (seine Kinder wollten
nicht mit einem nackten Hund spazieren gehen) begann die Suche nach den letzten
zuchtfähigen Pinschern.
In Westdeutschland war der Deutsche Pinscher ausgestorben. In Ostdeutschland/DDR
gab es in den 50er Jahren noch Restbestände. Heinz Kubel schreibt 1953 in seinem
Rückblick zum Zuchtgeschehen 1952 der Spezial-Zuchtgemeinschaft Schnauzer und
Pinscher:
"Pinscher sind sehr selten geworden. doch besitzen wir noch Zuchtstätten, die eifrig
um die Zucht dieser Mangelrasse bemüht sind. Wir sahen sehr edle Vertreter dieser
Rasse, die gebäude- und farbmäßig sehr gut waren. Nur müssen sie wieder auf alle
Ausstellungen und Schauen erscheinen, um neueren Liebhabern vor Augen geführt zu
werden"
DDR-Pinscher: Biene Gockelmann, SPZ 027, Asta von Rochhausen u. Axel vom Burgeck,
SPZ 035; Aufnahme vom 30 Mai 1954
Im Herbst 1957 gelang es Jung, die reingezüchtete Pinscherhündin Kitti vom Bodestrand
zu erwerben. Er nutzte dabei seine Kontakte zur DDR-Klubführung der Landesgruppe
Sachsen-Anhalt (Spezialzuchtgemeinschaft Schnauzer-Pinscher) Hans Wedde, Heinz Kubel
und Wilhelm Schmidinghoff, die ihm den Kontakt zu einem Züchter (vom Bodestrand/Walter
Kirchmeier) in Staßfurt vermittelten. Da 1957 die Grenzen zur DDR noch gut zu
passieren war, konnte er diese Hündin nach Westdeutschland transportieren.
Kitti wurde noch 1957 in Wiesbaden mit V1 (Bundessiegerin) und CACIB bewertet
(Richter Emil Homann).
Diese Hündin war das Fundament der deutschen Pinscherzucht. So gut wie jeder heutige
Deutscher Pinscher hat diese Hündin in seinem Stammbaum.
Kitti vom Bodestrand
Hier können Sie mehr zu Kitti v. Bodestrand lesen: Kitti vom Bodestrand
Die Hündin hatte durchaus Mängel im Vergleich des Idealbilds des Werner Jungs. Er
schreibt:
"Es ist verständlich, daß diese Hündin in vielen Punkten kein Bild der Hochzucht und
des Adels zeigte, schließlich sollte ja erst der Hobel angesetzt werden."
Idealpinscher nach Jung
Er schreibt weiter:
"Aus einem solchen Hund (gemeint ist Kitti) jedoch eine in der Kynologie anerkannte
Nachzucht zu züchten, bedurfte es ernster Überlegungen, großer Umsicht und unendlicher
Geduld. Auf sich selbst gestellt, war mit solchem Material keine Rasse zu schaffen,
die den Ansprüchen der heutigen Zeit entsprach. Durch Generationen betriebene Inzucht
mit ausgesprochen fehlerhaftem Material stellte sich dem Züchter wie eine Gummiwand
entgegen, so daß die Erreichung des Zuchtzieles immer wieder in die Ferne rückte. Die
Vererbung geht jedoch andere Wege, als es der nüchtern rechnende Mensch ausdenken kann
und das ist dann sogenanntes Züchterglück, wenn der Züchter die sich bietenden Gelegen-
heiten auszunutzen versteht."
Jung hatte beides Fachwissen und Züchterglück.
Doch der Start war schwierig. Es waren keine weiteren Deutschen Pinscher aufzutreiben,
so dass Jung auf Zwergpinscher greifen musste:
Hündin Jutta/Jung, registriert 1958, schwarz mit braunen Abzeichen, Risthöhe 39-40 cm
Rüde Illo/Fischer, registriert 1958, schwarz mit braunen Abzeichen, Risthöhe 37 cm
Rüde Fürst/Jung, registriert 1958, rotbraun, Risthöhe 41-42 cm
Onzo/Illgen, registriert 1958, bronzebraun, Risthöhe 41-42 cm
Jutta/Jung
Alle Hunde wurden nach bestimmten Stärken ausgesucht, die sie zusammen mit Kitti von
Bodestrand weitervererben sollten. Dabei untersuchte Jung die Zuchtstämme dieser Hunde
über Generationen hinweg.
Wenn Sie mehr über die Stärken und Schwächen dieser 4 Stammhunde wissen wollen, dann
bitte hier:
Werner Jung begründet die Einkreuzung der Zwergpinscher wie folgt:
"Der Zwergpinscher darf zwischen einer Größe von 25 bis 30 cm liegen und dennoch besteht
eine echte Blutverwandtschaft zum Deutschen Pinscher, also zum Mittelschlag, weil beide
Rassen auf gleiche rassische Ausgangsformen zurückgehen. Wenn beide Rassen auch andere
Blutsanteile führen, die unverkennbar zum Ausdruck kommen, so führt doch ein gerader Weg
von den Zwergen über die Übergroßen zu den Mittelschlägen. Befreit man durch die Zucht
den Zwergpinscher von seinem zwergenhaften Zustand, geht er auf den ursprünglichen, also
unverzwergten Mittelschlag zurück. Nur durch eine Verkümmerung gewisser Drüsen wurde er
zum Zwerg, also müssen alle Hunde, bei denen diese Drüsen nicht verkümmert sind, wieder
groß werden. Es ist auch in der Tat nicht schwer, aus kleinen Rassen große zu züchten,
umgekehrt ist es viel schwerer."
Als kleine Anmerkung zu der Größe und dem Entwicklungsstand des Deutschen Pinschers äußerte
sich Werne Jung 1962 anlässlich einer Ausstellung in Darmstadt wie folgt:
"Zusammengefasst muß ich noch sagen, daß mich die beiden Paare der Deutschen Pinscher in
dieser Ausgeglichenheit und den sehr typischen Köpfen, den kräftigen tadellosen Scheren-
gebissen, und den durchweg guten Wesen, sehr beeindruckt haben. Diese vier Hunde (gemeint
waren Ingo, Ilka, Nicki und Nora von der Birkenheide) lagen mit 3 cm Größenunterschied
über 45 bis 47 cm. Sie dürfen jedoch zwischen 40-48 cm liegen. Es ist deshalb empfehlens-
wert, in der Zucht die Größe nach unten zu drücken, denn die Deutschen Pinscher sind ein
kleiner Mittelschlag." Was würde Werner Jung wohl heute zu den "übergroßen" Pinscher auf den
heutigen Ausstellungen sagen?
Aber zurück zur Geschichte dieser Rasse. Die Rückzüchtung des Deutschen Pinschers war ein
steiniger Weg. Die ersten Rüden waren äußerlich noch sehr zwergpinschertypisch; die Hün-
dinnen waren zu klein; es trat eine Zahnfehlstellung auf etc. Nur durch harte Auslese
--nicht jeder aussortierte Pinscher hat das überlebt-- konnte sehr mühsam der Pinschertyp
entwickelt werden. Gleichzeitig musste der völlig unbekannte Pinscher bekannt gemacht werden,
damit sich Käufer und Neuzüchter finden ließen. Werner Jung und die ersten Züchter bereisten
unermüdlich die Rassehundeausstellungen in Deutschland, um die Pinscher auszustellen und
bekannter zu machen.
Die 5 Pinscher wurden 14-mal zur Zucht eingesetzt und brachten durch geschickte Paarungen
einen Stamm von 60 Hunden. Auf dieser Basis konnten dann auch andere Züchter aufsetzen.
Omo (gew. 1961) und Silva (gew. 1962) v.d. Birkenheide, Züchter: Jung, Wehen
(Quelle: Räber)
Im Jahr 1961 auf der Hauptversammlung des PSK in Wiesbaden berichtet der Hauptzuchtwart
Werner Jung über einen Silberstreif am Horizont:
"Ich habe meine über alles geliebten Riesen und Schnauzer aufgegeben, schweren Herzens
und gegen den Willen meiner Familie, um nicht die Schande auf mich zu laden, dass
während meiner Amtszeit als Hauptzuchtwart des PSK eine Rasse vollständig aussterben
würde, habe die Pinscher-Mittelschläge im allerletzten Augenblick selbst übernommen
und vor dem Untergang bewahrt. Bis jetzt habe ich es nicht bereut. Die Pinscher machen
uns sehr viel Freude. In ihnen steckt eine ungeheure Lebenskraft, ein überschäumendes
Temperament und glücklicherweise Variationen, die es uns ermöglichen Zug um Zug die
Rasse so hinzustellen, wie es der Standard vorschreibt. In fünf verschiedenen Farben
geht nun die Zucht planmäßig weiter. Hervorragende Züchter sind seit unseren letzten
Zusammensein dazu gekommen, begeisterte und fanatische Liebhaber sind unsere Helfer.
Die Rasse wirbt für sich selbst."
Erste Erfolge stellten sich schon 1960 auf der Bundes-Siegerschau in Frankfurt ein.
4 ausgestellte Hunde erhielten vorzüglich und 3 Bundessiegertitel. Von 1958 bis 1968
wurden im Zwinger von Jung, von der Birkenheide, in 34 Würfen 157 Welpen geboren.
Insgesamt wurden innerhalb eines Jahrzehnts mit Hilfe anderer Züchter 500 Pinscher
gezüchtet.
Werner Jung starb --viel zu früh-- im Jahr 1971. Er hat die Rasse vor dem Untergang be-
wahrt.
Happy End, oder wie gehts weiter ?
Fink schreibt 1961:
"Der Pinscher entstammt der alten Form eines mittelgroßen Hundes (Mittelschlag im Gegen-
satz zur Zwergform), dieses Stiefkind unter den deutschen Hunderassen. Die Zahl seiner
Züchter und seine Verbreitung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte waren bescheiden. Erst
spät, wenn nicht schon zu spät, um ihn vor Vergessenheit und Untergang zu bewahren, ging
man an seine Reinzucht. Zunächst waren es nur wenige Züchter, die sich um ihn bemühten;
doch es gelang bald, eine ausreichende Zuchtgrundlage zu schaffen und für die Rasse be-
stimmte Verbreitungsgebiete, besonders in Mitteldeutschland, zu sichern.....In letzter
Zeit haben sich ernsthafte Züchter wieder mehr um den glatthaarigen Pinscher, um den es
lange Zeit still war, gekümmert. Es darf angenommen werden, dass seine Zucht für die
Zukunft gesichert ist."
Bedeutende Züchter des Deutschen Pinschers waren in den folgenden Jahren (60er u.
70er Jahre):
v. Engelsbach, Karl u. Klara Kloz, Engelsbrand /Kr. Calw, 8 Würfe, 39 Welpen,
aktiv von 1961-1975. Der Zwinger v. Engelsbach brachte mit der Zuchthündin Ilka v.d.
Birkenheide bedeutende Deckrüden in die Zucht. Zu nennen sind Armin, Bigo, Billo,
Dago und Dorn v. Engelsbach.
v. Stein, Hermann Stein, Lich, 4 Würfe 22 Welpen, aktiv von 1962-1965
Der Zwinger v. Stein züchtete neben dem Deutschen Pinscher auch Zwergschnauzer. Ab
1962 began Hermann Stein die Pinscherzucht mit der Stammhündin Nora v.d. Birkenheide.
Einige Deutsche Pinscher (u.a. Fita, Quickli und Moritz v. Stein) setzte Werner Jung
für seinen Zwinger v.d. Birkenheide ein, was auf eine enge Zusammenarbeit der beiden
Züchter hindeutet. Mehrfach eingesetzt im Pinscher-Zuchtbetrieb wurde der Deckrüde
Moritz v. Stein. Die Schwester Mora v. Stein wurde als Stammhündin beim Zwinger v.
Wäldchen eingesetzt.
v.d. Asselburg, Fritz Witzenberger, Dortmund-Asseln, 6 Würfe, 27 Welpen,
aktiv von 1962-1967. Der Zwinger v.d. Asselburg setzte als Deckrüden ausschließ-
lich Ingo v.d. Birkenheide ein. Die Zuchthündinnen waren Poldi und Winni v.d.
Birkenheide. Als Zuchthündinnen wurden Karin v.d. Asselburg beim Zwinger v.d.
Walme und Tutti v.d. Asselburg beim Zwinger v. Nelkenhof eingesetzt. Fritz
Witzenberger züchtete neben dem Deutschen Pinscher auch Zwergpinscher.
v. Haingraben, Hans Schneider, Holzheim, 47 Würfe, 226 Welpen, aktiv
von 1964-1996
Micha (gew. 1968) und Xaver v. Haingraben (gew. 1971), Züchter: Schneider
(Quelle: Jung u. UR 3/73)
v.d. Sidonienhöhe, Erna Werner-Hagemeister, Braunschweig, 11 Würfe, 41 Welpen,
aktiv von 1964-1980
E. Werner-Hagemeister mit Quitta v.d. Sidonienhöhe im Alter von 10 Jahren
(Quelle: UR 1/75)
Der Zwinger v.d. Sidonienhöhe züchtete zuerst Zwergschnauzer. Ab 1964 began mit der
Zuchthündin Sara v.d. Birkenheide die Zucht des Deutschen Pinschers. Zuchthündinnen
dieses Zwingers wurden bei den Zwingern v. Siebenbürgen, v. Allergrund und v. Pferde-
winkel eingesetzt. Sehr bedeutende Deckrüden waren Ymo und Ungo v.d. Sidonienhöhe.
Weltsieger 1973 Ymo v.d. Sidonienhöhe,(Quelle: UR 8/73)
v. Schefflenztal, Willi Walter, Billigheim /Baden, 7 Würfe 32 Welpen, aktiv
von 1967-1972
v.d. Wetterperle, Elisabeth u. K. Fey, Lich, 4 Würfe 21 Welpen, aktiv von
1967-1973
v. Siebenbürgen, Gustav Emmerling, Neuendettelsau, 12 Würfe, 75 Welpen, aktiv
von 1967-1974. Auch der Zwinger von Siebenbürgen startete nicht mit der Zucht von
Deutschen Pinschern, sondern mit der Zucht von Zwergschnauzern. Zum Einsatz kamen
die beiden Stammhündinnen Jola v.d. Birkenheide und Uta v.d. Sidonienhöhe. Nora v.
Siebenbürgen wurde Zuchthündin beim Zwinger v. Langen See. Moritz und Micki v.
Siebenbürgen wurden als Deckrüden eingesetzt.
v. Nelkenhof, Hermann Schüren, Meerbusch, 8 Würfe, 32 Welpen, aktiv von
1968-1975
v. Wäldchen, Otto Strassheim, Lich-Bettenhausen,
5 Würfe 17 Welpen, aktiv von 1968-1975
v. Allergrund, Heinrich Noll, Berenbostel, 14 Würfe,
57 Welpen, aktiv von 1968-1982
v. Weihergraben, Oskar Hofmann, Großen Buseck,
17 Würfe, 86 Welpen, aktiv von 1969-1981
Bärbel v. Weihergraben,
gew. 1969, Züchter: Hofmann (Quelle: Jung)
v. Pferdewinkel, Herbert Lanwehr, Harsewinkel, 25 Würfe, 111 Welpen, aktiv
von 1970-1988
Faun v. Pferdewinkel, Züchter: Lanwehr (Quelle: Unser Rassehund 06/1977)
v. Opferweg, Ingrid Rahenbrock, Bergkamen, 17 Würfe, 74 Welpen, aktiv
von 1973-1982
v. Bingenheimer Schloß, Kurt Schwab, Bingenheim, 6 Würfe, 29 Welpen, aktiv
von 1974-1980
v. Münchhof, Dieter Memmer, Hochspeyer, 33 Würfe, 178 Welpen, aktiv von
1976-1999
v. Warthügel, Hans Karl Marx, Laubach, 10 Würfe 55 Welpen, aktiv von 1979-1988
Arco v. Warthügel, gew. 1979, Züchter: Marx
Einkreuzung des Dobermanns
Burkhard Voß (Zwinger v. Nordkristall) hat 1989 die Dobermannhündin Evi v.d. Edeltanne
belegt mit Fips v. Nordkristall. Aus dem Wurf (Ende Januar 1990) wurde Linda v. Nord-
kristall mit Deckrüden aus den Zwingern v. Cronsbach (M- und P-Wurf, 1992 und 1994),
v. Awarenring (V-Wurf 1997) und des Jardin de L´Armonial (W-Wurf 1998) belegt.
Linda v. Nordkristall, gew. 1990, Züchter: B. Voß, Jarmen
Die Widerstände führender Vertreter des PSK bezüglich bezüglich dieser Einkreuzung
waren erheblich. Die Genehmigung zu dieser Einkreuzung war noch zu DDR-Zeiten von
den damaligen Verbänden ausgesprochen worden, aber nicht vom PSK, der später mit
dem DDR Verband fusionierte.
Der erste Wurf der F2 Generation erhielt in der Ahnentafel den Aufdruck "zur Zucht
nicht zugelassen". Unterstützt wurde das Vorhaben von Peter Burtzik, dem damaligen
1. Vorsitzenden des PSK. Die ersten drei Generationen wurden dann als Registerhunde
eingetragen. Mit den weiteren Generationen haben auch andere Zwinger --insbeondere
die Zwinger "vom Blauen Wunder" und "vom Klosterfels"-- weitergearbeitet, so dass
diese Einkreuzung verbreitet in den Stammbäumen des Deutschen Pinschers zu finden
ist. Burkhard Voß schreibt zur Zielsetzung:
"Die ursprüngliche Aufgabe dieser Einkreuzung zwischen Dobermann und Deutschem
Pinscher hatte u.a. das Ziel, die Größe auf ein normales Standardmaß zu heben, da die
Zuchttiere in der DDR im Durchschnitt nur 43 cm hoch waren...Bis einschließlich zur
F3-Generation sind bei den Nachfahren von Linda keine größeren Hunde als 53 cm
gefallen....Des Weiteren bestand die Aufgabe darin, die Vermehrungsvitalität zu
steigern, die P4-Verluste zu bekämpfen und die Aggressivität zu senken. Dies ist aus
heutiger Sicht mehr als gelungen."
Wer mehr über die Dobermann-Einkreuzung lesen möchte, schaut sich das an: Dobermann-Einkreuzung
Einkreuzung des Zwergpinschers
Einkreuzungen von Zwergpinschern gab es nur noch im Zwinger von der Asselburg und von
der Dyhernfurth.
Im Zwinger von der Asselburg gab es am 18.10.1964 einen Wurf aus der Verbindung Ingo
v.d. Birkenheide und der Zwergpinscherhündin Merry vom Hügelicht. Von den 4 Welpen
(2 Rüden und 2 Hündinnen) waren zwei isabellfarben, einer braun und einer rot. Ein
isabellfarbener aus dem Wurf erhielt auf einer Ausstellung die Bewertung V (vorzüglich)
und die braune Hündin erhielt die Bewertung SG (Sehr Gut). Mit den Hunden wurde jedoch
nicht weiter gezüchtet.
Einen zweiten Wurf des Zwingers von der Dyhernfurth mit dem Zwergpinscher Lausbub vom
Machnower Busch und der Deutschen Pinscher-Hündin Petty vom Nordhang gab es am 5. Juni
1967. Von den 5 geworfenen schwarz-roten Pinschern ging keiner in die weitere Zucht.
Neben den Bemühungen den Genpool durch Dobermann- und Schnauzereinkreuzungen zu ver-
breitern, liegt hier vielleicht der Schlüssel durch Zwergpinschereinkreuzungen neues
Blut in die Pinscherzucht zu bekommen, so wie einst Werner Jung die Rasse wieder auf-
gebaut hat.
Einkreuzung des Schnauzers
Pirjo Porenne (Zwinger Yarracitta, Helsinki) erhielt 1996 die Genehmigung des
finnischen Rasseklubs zur Kreuzung von Pinschern mit Schnauzern. Der Kreuzungsplan wurde
für maximal 4 Pinscher-Schnauzer Kreuzungen erteilt. Ziel dieser Kreuzung ist es den engen
Genpool des Deutschen Pinschers zu erweitern und körperbauliche Schwächen des Pinschers zu
beheben vor dem Hintergrund, dass in Finnland bis 1990 Quarantäne-Bestimmungen, die weitere
Zuführung von ausländischen Pinschern verhinderte.
F1 Generation
Im ersten Wurf (1997) fielen 2 Rüden, die beide wildfarbenes rauhes Schnauzerhaar und einen
stabilen und festen Körperbau hatten. Beide Hunde hatten einen Hodendefekt und konnten für
die Zucht nicht weiter eingesetzt werden.
Im zweiten Wurf (1998) fielen 4 Rüden und 4 Hündinnen mit Fellfarben zwischen schwarzgrau
und wildfarben. Der Körperbau war von unterschiedlicher Qualität. Die Hündin Yarracitta
Oilenkaunokki wurde wegen ihres schönen Kopfes, guten Körperbaus und ausgeglichenem Wesen
im 3 Wurf eingesetzt. Bild von einem F1 Hund:
F2 Generation
Der erste Wurf der F2 Generation (2000) brachte Welpen mit einem stärkeren Pinscher-Aussehen. Von den 5
Welpen hatten 3 glattes Kurzhaar und 4 Welpen haben eine rote Fellfarbe; ein Welpe war noch wildfarben.
Der zweite Wurf der F2 Generation (2002) wieder mit Yarracitta Oilenkaunokki brachte 8 Welpen, davon 6 mit
glattem Kurzhaar in den Farben hellbraun bis dunkelbraun; eine Hündin fast schwarz. Bild von einem F2 Hund:
F3 Generation
Zwischen 2003 und 2009 wurden 3 Hündinnen der F2 Generation mit roten Deutschen Pinschern gekreuzt. Von
den insgesamt 16 Hunden waren 13 rot und 3 wildfarben. Alle Hunde hatten kurzes Haar. Bild von einem F3 Hund:
F3 Generation
Ab 2009 wurden Hündinnen aus der F3 Generation eingesetzt. Die Hunde dieser Generation sind keine
Registerhunde mehr.
Anfang 2000 gab es Rückschläge, weil Katarakt bei einigen Hunden dieses Projektes festgestellt
wurde. Die Würfe wurden als Registerhunde eingetragen, ab der F4 Generation gelten die Hunde nicht
mehr als Registerhunde und werden ganz normal im finnischen Zuchtbuch geführt.
Wer mehr über die Schnauzer-Einkreuzung lesen möchte, schaut sich das an: Schnauzer-Einkreuzung
und: Farbvariationen der Einkreuzungen
Gefährdete Haustierrasse
Im Jahr 2003 wurde der Deutsche Pinscher von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter
Haustierrassen e.V. (GEH) auf die rote Liste gesetzt. Hier erfahren Sie mehr: GEH
Quellen
Alle Zitate und Bilder stammen aus Büchern und Artikeln, die sich in meinem persönlichen Besitz
befinden.
Ähnlichkeiten zu anderen Internetseiten sind zufällig und nicht gewollt. Zitate aus den Quellen
werden als solche deutlich gekennzeichnet.
Folgende Literatur habe ich herangezogen: